EigenstromkompassRatgeberRechner

BHKW behalten oder durch PV und Wärmepumpe ersetzen?

09.10.2026

Ob ein bestehendes BHKW bleiben oder einer Photovoltaik-Wärmepumpe weichen sollte, hängt von der tatsächlichen Wärme- und Strombilanz, dem Zustand der Anlage und dem Gebäude ab. Ein fairer Vergleich berücksichtigt auch die begrenzte Rolle von Solarstrom und mögliche KWK-Ansprüche.

Keine Technik gewinnt pauschal

Ein BHKW koppelt zwei Erträge: Es erzeugt gleichzeitig Strom und Nutzwärme. Eine PV-Wärmepumpe setzt anders an: Photovoltaik kann Strom für die Wärmepumpe liefern, die elektrische Energie zur Wärmebereitstellung nutzt. Die Verbraucherzentrale betont zugleich, dass PV den Netzstrom nicht ersetzt ([Verbraucherzentrale](https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/heizen-und-warmwasser/technik-und-ausstattung-was-gehoert-alles-zu-einer-waermepumpenanlage-113953)). Deshalb ist „BHKW oder Wärmepumpe?“ allein zu kurz gefragt. Entscheidend ist, welche Anlage den Wärmebedarf des konkreten Hauses zuverlässig und zu vertretbaren Gesamtkosten deckt – und was mit dem Strom passiert. Die passende Heizung sollte zudem zu den Bedürfnissen und zum künftigen Dämmstandard des Gebäudes passen ([Verbraucherzentrale](https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/heizen-und-warmwasser/heizung-tauschen-so-gehts-schritt-fuer-schritt-30045)).

Zuerst das BHKW bilanziell erfassen

Bevor Angebote eingeholt werden, sollten die letzten zwei bis drei Abrechnungsjahre in eine gemeinsame Übersicht: Brennstoffverbrauch, erzeugte Wärme, erzeugter Strom, selbst genutzter und eingespeister Strom, Wartung, Reparaturen und Laufzeiten. Ergänzen Sie Alter, Zustand und die nächste absehbare größere Instandsetzung. So wird sichtbar, ob der Strom- und Wärmeertrag des BHKW tatsächlich zum Haus passt oder ob viel Wärme zu Zeiten anfällt, in denen sie nicht gebraucht wird. Das ist die Ausgangsbilanz, an der beide Alternativen gemessen werden müssen. Prüfen Sie auch Zulassung, Förderbescheide, Vergütungsregelungen und vertragliche Bindungen, bevor die Anlage außer Betrieb geht. Das KWKG behandelt bestehende Anlagen in einer eigenen Vorschrift; deren § 13 nennt eine Leistungsklasse oberhalb von 2 bis einschließlich 300 Megawatt. Diese Regel lässt sich also nicht pauschal auf jedes kleine BHKW übertragen. Entscheidend sind die Unterlagen und die für die konkrete Anlage geltenden Bestimmungen ([KWKG, § 13](https://www.gesetze-im-internet.de/kwkg_2016/__13.html)).

Wärmepumpe und Haus gemeinsam planen

Lassen Sie für die PV-Wärmepumpen-Variante zunächst den Wärmebedarf des Hauses und den Zustand der bestehenden Wärmeverteilung aufnehmen. Fragen Sie nach einer nachvollziehbaren Auslegung für den heutigen Zustand und – falls ohnehin geplant – für spätere Dämmmaßnahmen. Ein Vergleich mit einer überdimensionierten Wärmepumpe oder einer PV-Anlage, deren Ertrag nur auf den Jahresverbrauch abgestimmt ist, beantwortet nicht, ob das System im Alltag funktioniert. Holen Sie mehrere individuelle Angebote ein und lassen Sie die Annahmen zur Wärmeversorgung schriftlich ausweisen.

Eigenstrom realistisch ansetzen

Photovoltaik kann den Wärmepumpenbetrieb unterstützen, ersetzt aber nicht automatisch den Netzbezug ([Verbraucherzentrale](https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/heizen-und-warmwasser/technik-und-ausstattung-was-gehoert-alles-zu-einer-waermepumpenanlage-113953)). Fraunhofer ISE berichtet für sechs untersuchte Wärmepumpen-PV-Kombinationen ohne Batterie Autarkiegrade von 25 bis 40 Prozent und Eigenverbrauchsanteile von 22 bis 37 Prozent. Das sind Ergebnisse dieser Kombinationen, keine Garantie für ein bestimmtes Haus ([Fraunhofer ISE](https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2025/waermepumpen-heizen-auch-im-altbau-klimafreundlich-forschungsprojekt-des-fraunhofer-ise-abgeschlossen.html)). Verlangen Sie deshalb eine saisonale Betrachtung von Wärmepumpenstrom, PV-Erzeugung, Haushaltsverbrauch und Netzbezug. Fragen Sie auch, welche Regelung den Solarstrom sinnvoll zwischen Wärmepumpe, übrigen Verbrauchern und Einspeisung verteilt.

Gesamtkosten statt einzelner Strompreis

Vergleichen Sie beide Varianten über denselben Betrachtungszeitraum und mit denselben Annahmen zu Wärmebedarf und Energiepreisen. Auf die BHKW-Seite gehören Brennstoff, Wartung, Reparaturen, Restlaufzeit, Eigenverbrauch des Stroms und Erlöse aus Einspeisung. Für PV und Wärmepumpe zählen Investition, laufender Strombezug, PV-Eigenverbrauch, Einspeisung, Wartung sowie gegebenenfalls Speicher und Umbauten an der Wärmeverteilung. Rechnen Sie mindestens ein Szenario mit geringerem PV-Beitrag und eines mit höherem Strombedarf durch die Wärmepumpe. So bleibt sichtbar, welche Annahme das Ergebnis kippt – statt eine vermeintlich sichere Ersparnis aus einem einzelnen Preis oder Autarkiewert abzuleiten.

Wann behalten, wann ersetzen?

Das BHKW zu behalten ist eine ernsthafte Option, wenn Zustand, Wartungsaufwand und Wärme-Strom-Bilanz überzeugen und der Vergleich keine klare Verbesserung durch den Komplettwechsel zeigt. Ein Umstieg wird plausibler, wenn eine größere Erneuerung ohnehin ansteht und das Haus samt geplanter Gebäudehülle für eine Wärmepumpe gut ausgelegt werden kann. Eine Zwischenlösung – etwa die Anlage nicht sofort zu ersetzen, sondern zunächst die Wärmeverteilung und den Stromverbrauch zu prüfen – sollte ein Fachbetrieb auf technische Machbarkeit und Kosten untersuchen. Die robuste Entscheidung ist die, die auch bei realistischem Wärmebedarf und vollständig angesetzten Umbau- und Betriebskosten trägt. Erst wenn Bestandsdaten, Auslegung und Förder- beziehungsweise Vergütungsstatus geklärt sind, lässt sich begründet zwischen Weiterbetrieb und Ersatz wählen.

Quellen

  1. Bundesministerium der Justiz und Bundesamt für Justiz, Gesetze im Internet
  2. Bundesministerium der Justiz und Bundesamt für Justiz, Gesetze im Internet
  3. Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE
  4. Verbraucherzentrale
  5. Verbraucherzentrale