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COP, SCOP und Jahresarbeitszahl: Kennwerte für die Eigenstromplanung unterscheiden

09.10.2026

COP ist ein Prüfpunktwert, SCOP ein standardisierter Saisonwert und die Jahresarbeitszahl ein Verhältnis für den Betrieb über ein konkretes Jahr. Wer PV-Eigenstrom planen will, sollte die Werte nicht gleichsetzen: Für den erwarteten Strombedarf zählt vor allem eine realistische JAZ-Prognose samt klarer Systemgrenze.

Drei Kennwerte, drei verschiedene Fragen

Bei der Wärmepumpe tauchen COP, SCOP und Jahresarbeitszahl oft nebeneinander auf. Für die Eigenstromplanung sind sie aber keine austauschbaren Effizienzversprechen. Der COP beantwortet: Wie arbeitet das Gerät an einem bestimmten Prüfpunkt? Der SCOP fasst standardisierte Saisonbedingungen zusammen. Die Jahresarbeitszahl (JAZ) beschreibt das Verhältnis von Wärme zu Strom über ein konkretes Betriebsjahr. Deshalb sollte man beim Lesen eines Angebots zuerst fragen, auf welchen Zeitraum, welche Bedingungen und welche Systemgrenze sich die Zahl bezieht.

COP: Momentaufnahme statt Jahresprognose

Der COP (Coefficient of Performance, Leistungszahl) ist das Verhältnis abgegebener Nutzwärmeleistung zu elektrischer Antriebsleistung. Er gilt für einen Prüfpunkt – also eine festgelegte Kombination aus Quellentemperatur und Heizungs-Vorlauftemperatur. Eine Zahl aus einem günstigen Prüfpunkt beschreibt nicht automatisch den Betrieb an kalten Tagen oder bei höherer Vorlauftemperatur. Das Umweltbundesamt weist deshalb darauf hin, dass eine einzelne Leistungszahl nicht genügt, um die Effizienz im laufenden Betrieb zu beurteilen. Beim Vergleich von Geräten ist der COP nützlich, solange die verglichenen Prüfpunkte gleich sind; als alleinige Grundlage für die Dimensionierung des PV-Stroms ist er ungeeignet.

SCOP: sinnvoller Produktvergleich mit Normbedingungen

Der SCOP (Seasonal Coefficient of Performance) ist ein saisonaler Kennwert, der nach EN 14825 anhand einer normierten Temperaturkurve ermittelt wird. Damit lässt sich die saisonale Effizienz verschiedener Produkte unter gleichen Bedingungen vergleichen. Diese Standardisierung macht den SCOP jedoch nicht zur Vorhersage für ein bestimmtes Haus: Klima, Wärmeverteilung und tatsächliche Vorlauftemperaturen können vom zugrunde gelegten Profil abweichen. Das Umweltbundesamt nennt außerdem VDI 4650 und DIN EN 14825 als Verfahren, mit denen aus Leistungszahlen Rechenwerte gewonnen werden, und merkt an, dass solche Werte gewöhnlich höher als im realen Betrieb gemessene Werte sind. Der SCOP ist daher ein guter Filter beim Gerätevergleich, aber keine belastbare Zusage für den künftigen Stromzähler.

JAZ: näher am Verbrauch des konkreten Systems

Die JAZ setzt die im Laufe eines Jahres gelieferte Wärme zur eingesetzten elektrischen Energie ins Verhältnis. In der vom Umweltbundesamt beschriebenen Systemgrenze sind Verdichter und Hilfsantriebe eingeschlossen. Für einen fairen Vergleich muss trotzdem klar sein, welche Verbraucher tatsächlich mitgemessen wurden – etwa Ventilator, Pumpen oder ein elektrischer Heizstab. Eine JAZ von 4,0 bedeutet beispielhaft vier Kilowattstunden Heizwärme je Kilowattstunde Strom; eine JAZ von 3 bedeutet drei Kilowattstunden Wärme je Kilowattstunde Strom, darunter zwei Kilowattstunden Umgebungswärme. Die JAZ ist damit die nützlichste Kennzahl für eine Verbrauchsrechnung, wenn sie gemessen oder objektspezifisch plausibel prognostiziert wurde. Ein allgemeiner Herstellerwert bleibt dagegen eine Annahme, kein Messwert Ihres Hauses.

Von der Kennzahl zur PV-Eigenstromplanung

Für eine erste Überschlagsrechnung nehmen Sie den erwarteten jährlichen Wärmebedarf der Wärmepumpe und teilen ihn durch eine realistische JAZ. Beispiel, ausdrücklich vereinfacht: Bei 4.000 kWh Heizwärme im Jahr und angenommener JAZ 3,5 ergibt sich ein rechnerischer Strombedarf von rund 1.143 kWh (4.000 ÷ 3,5). Das ist die Jahresenergiemenge, nicht die Menge PV-Strom, die automatisch selbst verbraucht wird. Sie sagt auch nicht, wann der Strom gebraucht wird: Heizbedarf ist saisonal, während PV-Erzeugung über das Jahr anders verteilt ist. Für eine belastbare Planung daher nicht den SCOP direkt in einen Eigenverbrauchsanteil umdeuten. Lassen Sie Wärmebedarf, geplante Systemgrenze und JAZ-Annahme offen ausweisen; anschließend kann die zeitliche Deckung mit PV-Erzeugung und Netzbezug separat betrachtet werden.

Was Sie im Angebot konkret nachfragen sollten

Bitten Sie um die COP-Prüfpunkte samt Quell- und Vorlauftemperatur, den SCOP mit zugrunde gelegtem Verfahren und eine JAZ-Prognose für Ihr Gebäude. Fragen Sie nach, ob Warmwasserbereitung und Hilfsenergie enthalten sind und wie sich die Annahmen zu Wärmequelle, Vorlauftemperatur und Heizstab auswirken. Ein Vergleich ist nur fair, wenn Zahlen dieselben Bedingungen und eine vergleichbare Bilanzgrenze haben. Behandeln Sie den SCOP als standardisierten Produktvergleich und die JAZ als projektspezifische Erwartung, die nach Inbetriebnahme mit gemessener Wärme und Strom überprüfbar wird. Für die PV-Auslegung zählt schließlich nicht eine einzelne schöne Kennzahl, sondern eine nachvollziehbare Jahresbilanz plus die Frage, wann Wärmepumpe und Photovoltaik tatsächlich gleichzeitig Energie liefern beziehungsweise benötigen.

Quellen

  1. Umweltbundesamt
  2. Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V.
  3. Umweltbundesamt