Eigenstrom in der Kfz-Werkstatt: Lasten von Kompressor bis Ladeplatz erfassen
09.10.2026
Kompressor, Hebebühne und Ladeplätze prägen das Lastprofil. Für den Kompressor zählen Betriebsdruck und Laufzeiten, neben der gleichzeitig anfallenden Leistung.
Zeitprofil statt bloßer Jahressumme
Für die Eigenstromplanung zählt nicht nur, wie viel Strom eine Werkstatt im Jahr verbraucht, sondern auch wann und mit welcher Leistung die Geräte laufen. Eine Hebebühne braucht Strom für einzelne Hubvorgänge; ein Kompressor läuft bei Druckluftbedarf; Fahrzeuge können über längere Zeit laden. Diese Abläufe müssen nicht zusammenfallen, doch die Jahresrechnung zeigt solche Überschneidungen nicht. Erfassen Sie den Jahresverbrauch sowie – wenn vorhanden – zeitaufgelöste Zählerwerte. Protokollieren Sie über typische Arbeitstage die Betriebszeiten von Kompressor, Bühne(n), Beleuchtung, Werkstattgeräten und Ladepunkten. Ergänzen Sie Typenschilddaten und markieren Sie, welche Verbraucher regelmäßig gleichzeitig genutzt werden. So entsteht ein Lastbild, das über das Addieren der Geräte-Nennleistungen hinausgeht. Für eine Überschlagsrechnung lassen sich konkrete Werte addieren: MAHA nennt für eine Zwei-Stempel-Hebebühne 3,0 kW Antriebsleistung. Bei einem beispielhaft angenommenen Kompressor von 2,2 kW ergäben sich 5,2 kW zusammen – ohne weitere Geräte oder Ladepunkte. Das ist eine Momentaufnahme aus Nennwerten, weder Messung noch Verbrauchsprognose.
Druckluftbedarf und Laufzeiten berücksichtigen
Bei der Kompressorauswahl sollte die Motorleistung nicht isoliert betrachtet werden. Ermitteln Sie erforderlichen Betriebsdruck, Volumenstrom und Nutzungszeiten: Der Bedarf hängt davon ab, welche Werkzeuge parallel laufen und wie die Druckluft im Betrieb verteilt wird. KAESER nennt für die Werkstattkompressoren EUROCOMP Druckwerte von 10 oder 15 bar und Volumenströme zwischen 112 und 1050 l/min; diese Produktspanne ersetzt keine Auslegung für die konkrete Werkstatt ([KAESER](https://ch.kaeser.com/de/produkte/kolbenkompressoren/stationaere-kolbenkompressoren/)). Notieren Sie, wann der Kompressor startet und stoppt, und lassen Sie seine Leistungsaufnahme bei Bedarf messen. Leckagen oder ein unnötig hoher Druck können die Auswertung beeinflussen. Auch kurze Zyklen zählen: das MAHA-Datenblatt für die genannte Bühne führt eine lastabhängige Hub- und Senkzeit von ungefähr 35 Sekunden auf ([MAHA](https://www.maha.de/restriction/check-asset/support_documents/dokumente/Brosch%C3%BCren/MAHA/02_Hebetechnik/Unterflur-Hebeb%C3%BChne/Zwei-Stempel-Hebeb%C3%BChne/ZS%20DUETT/ZS%20DUETT%203-5%20FT/TD_MAHA_ZS_DUETT_3.5_FT_VP252319_de.pdf)). Deshalb sagt die Anschlussleistung allein nichts über den Energieverbrauch: dafür sind tatsächliche Betriebsdauer und Wiederholungen entscheidend.
Ladeplätze und Anschlussvorgaben einbeziehen
Erfassen Sie pro Ladepunkt Nennleistung, Standzeit und benötigte Abfahrtsladung. Ein Werkstattfahrzeug kann während der Arbeitszeit regelmäßig stehen, während Kundenfahrzeuge womöglich keinem festen Zeitplan folgen. Ein Energiemanagement kann die Ladeleistung an Zeitfenster mit PV-Erzeugung anpassen oder bei hoher Werkstattlast begrenzen, sofern Ladeanforderung und Technik dies zulassen. Die Bundesnetzagentur informiert, dass Ladeeinrichtungen mit einer Leistungsinanspruchnahme über 11 kW der vorherigen Zustimmung des Netzbetreibers bedürfen ([Bundesnetzagentur: Netzanschluss](https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Netzanschluss/start.html)). Vor einer Erweiterung ist außerdem zu prüfen, ob Netzanschluss und Kundenanlage zur geplanten zusätzlichen Leistung passen.
Erst messen, dann PV und Speicher abstimmen
Die Bundesnetzagentur empfiehlt vor dem Anschluss einer Ladeeinrichtung, den Hausanschluss auf die zukünftig benötigte Leistungsinanspruchnahme zu prüfen. Sie nennt als mögliche Reaktionen eine Verstärkung des Hausanschlusses oder ein Leistungsmanagementsystem. Holen Sie dafür ein eingetragenes Installationsunternehmen dazu und gleichen Sie dessen Prüfung mit dem gemessenen Lastprofil ab. Führen Sie anschließend Lastkurve, PV-Erzeugung am Standort, nutzbare Dachfläche und Anschlussleistung zusammen. Ein Speicher kann Energie zeitlich verschieben, ist aber nicht automatisch die Lösung für jede hohe Leistungsspitze; Batterie, Wechselrichter und elektrische Anlage müssen passend ausgelegt werden. Diese Planung ersetzt keine Prüfung der konkreten Werkstatt.