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Ertragsprognosen im PV-Angebot: Annahmen statt nur Endwerte vergleichen

08.10.2026

Eine Jahreszahl allein macht PV-Angebote nicht vergleichbar. Entscheidend ist, ob Standort, Dachgeometrie, Verschattung, Verlustannahmen und Ertragsprofil gleich angesetzt sind. Mit einer einfachen Prüftabelle lassen sich abweichende Prognosen einordnen, ohne eine Simulation mit einer Garantie zu verwechseln.

Die Zahl allein beantwortet nicht die Vergleichsfrage

Ein Angebot nennt vielleicht 9.200 Kilowattstunden pro Jahr, das andere 8.700. Daraus folgt noch nicht, dass das erste besser geplant ist: Beide Zahlen können auf unterschiedlichen Eingaben beruhen. Für einen fairen Angebotsvergleich brauchen Sie daher nicht nur den Endwert, sondern die Planungsannahmen, die ihn erzeugt haben. Dazu zählen insbesondere der angesetzte Standort, die installierte Leistung und die Dachfläche mit ihrer Neigung und Ausrichtung. Fragen Sie auch, ob die Zahl ein Jahresmittel, einen bestimmten Musterjahrgang oder eine Ertragsprognose für ein einzelnes Jahr meint. PVGIS stellt Jahres- und Monatswerte bereit und kann außerdem die Schwankung der Jahresproduktion über die gewählte Strahlungsdatenreihe ausweisen. Ein Wert mit ausgewiesener Variabilität ist besser einzuordnen als eine nackte Jahreszahl, bleibt aber eine Modellrechnung.

Standort und Dachgeometrie auf denselben Stand bringen

Prüfen Sie zuerst, ob beide Anbieter dieselbe Adresse oder wenigstens denselben Standort verwenden. Schon ein abweichend gesetzter Kartenpunkt kann eine andere Grundlage für die Einstrahlung bedeuten. Dann gleichen Sie Dachflächen ab: Welche Kilowatt-Peak-Leistung ist angesetzt, welche Module liegen auf welcher Seite, und mit welchen Neigungs- und Azimutwinkeln wurde gerechnet? PVGIS beschreibt den Azimutwinkel relativ zur Südrichtung. Lassen Sie sich die Konvention des Anbieters nennen, statt Zahlen ungeprüft zu vergleichen. Eine optimierte Südausrichtung mit rund 30 Grad Neigung kann auf maximale Jahresproduktion zielen; bei einer realen Ost-West-Belegung ist die erwartbare Produktion anders verteilt. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Ost- und Westflächen zwar nicht dieselben Spitzenerträge wie Süddächer liefern, die Erzeugung aber über mehr Tagesstunden verteilen können. Das kann für Eigenverbrauch relevant sein, ist jedoch nicht dasselbe wie ein höherer Jahresertrag.

Verschattung und Verluste sichtbar machen

Die Eingabe zur Verschattung verdient eine konkrete Nachfrage: Wurde nur der Geländehorizont berücksichtigt, oder auch der Schornstein, ein Nachbargebäude, Bäume und die Teilverschattung einzelner Module? PVGIS kann Horizontinformationen einbeziehen, um Schatten durch Geländeformen abzuschätzen. Die JRC-Dokumentation grenzt das aber ab: Teilverschattung von Modulbereichen ist lokal, kann die Produktion stark senken und ist nicht in der Berechnung enthalten. Bitten Sie deshalb um eine nachvollziehbare Beurteilung für die tatsächlich belegten Flächen. Vergleichen Sie außerdem den angesetzten Systemverlust. PVGIS empfiehlt 14 Prozent als Eingabewert für seine Rechnung; das macht den Wert zu einem sinnvollen Prüfpunkt, aber nicht automatisch zum richtigen projektspezifischen Ansatz. Lassen Sie aufschlüsseln, was enthalten ist – etwa Wechselrichter und Verkabelung – und welche projektspezifischen Effekte zusätzlich angesetzt oder ausgelassen werden. Entscheidend ist nicht, dass jedes Angebot dieselbe Pauschale verwendet, sondern dass Abweichungen erklärt sind.

Monatsprofil statt Jahresertrag prüfen

Verlangen Sie die Ertragsverteilung nach Monaten, idealerweise für jede Dachseite getrennt. Zwei Prognosen können bei ähnlicher Jahressumme unterschiedliche Saison- oder Tagesprofile abbilden. Bei einer Ost-West-Aufteilung etwa fällt die Erzeugung typischerweise zu anderen Stunden an als bei einer nach Süden ausgerichteten Anlage; genau deshalb ist die Jahresmenge kein vollständiger Maßstab für den Nutzen im Haushalt. PVGIS zeigt Monatswerte und berichtet für den gewählten Datenzeitraum eine Schwankung von Jahr zu Jahr. Nutzen Sie diese Angaben, um zu prüfen, ob die Angebotsersteller die gleichen Daten und Szenarien vergleichen. Die Monatswerte sind zudem eine Plausibilitätskontrolle: Wenn das Angebot eine bestimmte Dachseite ausweist, die Monatskurve aber keinerlei Unterschied dazu erkennen lässt, fragen Sie nach der Berechnungsmethode.

Eine einfache Vergleichsmatrix für die Angebotsprüfung

Legen Sie für jedes Angebot eine Zeile an und tragen Sie dieselben Felder ein: Standort, kWp, Modulflächen, Neigung und Azimut je Fläche, angenommene Verschattung, Systemverlust, Datenquelle beziehungsweise Rechenwerkzeug, Jahresertrag, Monatswerte und ausgewiesene Variabilität. Markieren Sie „nicht angegeben“ statt Lücken stillschweigend mit eigenen Vermutungen zu füllen. Ein rein illustratives Beispiel: Wenn Angebot A mehr Jahres-kWh verspricht, dafür aber eine unverschattete Südfläche voraussetzt, während Angebot B reale Ost- und Westflächen mit einem Schornstein abbildet, sind die Endwerte nicht direkt vergleichbar. Der Unterschied ist dann zunächst eine Differenz der Annahmen, kein Beleg für bessere oder schlechtere Fachplanung. Bitten Sie beide Anbieter, dieselben Dach- und Verlustannahmen offenzulegen oder ihre Werte mit gleicher Eingabe neu zu berechnen. Der Vergleich von Angeboten wird auch von der Verbraucherzentrale empfohlen.

Prognose ist keine Ertragsgarantie

Auch eine sorgfältig dokumentierte Ertragsprognose bleibt eine Schätzung unter Modellannahmen. Die ausgewiesene jährliche Schwankung beschreibt vergangene Daten innerhalb der verwendeten Strahlungsdatenreihe, nicht die sichere Ober- oder Untergrenze der künftigen Produktion. Tatsächlicher Ertrag kann außerdem von örtlichen Bedingungen abhängen, die im Rechenmodell nicht enthalten oder nicht exakt abgebildet sind – die dokumentierte Lücke bei Teilverschattung zeigt, warum eine Zahl nicht alle Dachdetails ersetzt. Fragen Sie deshalb nicht nur „Wie hoch ist der Ertrag?“, sondern „Welche Eingaben führen zu dieser Zahl, und was ist nicht berücksichtigt?“. Erst danach lässt sich der Endwert als ein Baustein der Angebotsbewertung nutzen.

Quellen

  1. Joint Research Centre der Europäischen Kommission (PVGIS)
  2. Joint Research Centre der Europäischen Kommission (PVGIS)
  3. Verbraucherzentrale