Hagelprüfungen für PV-Module: Prüfbedingungen statt Schlagworte vergleichen
08.10.2026
Ein Hagel-Label allein beschreibt nicht, welche Belastung geprüft wurde. Wer PV-Module vergleichen will, sollte die Normebene, die konkrete Prüfkonfiguration und die Aussagegrenzen eines Modulzertifikats getrennt lesen.
Warum das Wort „hagelfest“ wenig erklärt
Bei einer PV-Anlage ist „hagelfest“ als alleinige Angabe kaum eine Vergleichsgrundlage. Entscheidend ist, welche Belastung tatsächlich geprüft wurde und ob sie zur Gefährdung am geplanten Standort passt. Die IEC unterscheidet die grundlegende Qualifikationsreihe IEC 61215 von der ergänzenden technischen Spezifikation IEC TS 63397: Diese adressiert Anwendungen oder Umgebungen, in denen Hagel höhere Beanspruchungen erzeugen kann, als IEC 61215 abdeckt. Sie soll unter anderem die Auswahl für stärker gefährdete Regionen unterstützen. Das ist kein pauschales Versprechen, dass ein Modul jedem denkbaren Hagelereignis standhält. [IEC TS 63397](https://webstore.iec.ch/en/publication/68735)
Was im Prüfbericht stehen sollte
Ein brauchbarer Modulzertifikat- oder Prüfbericht sollte mehr zeigen als ein Siegel oder eine einzelne Millimeterzahl. Fragen Sie nach Prüfgrundlage und Ausgabe, Projektilart, Durchmesser, Auftreffgeschwindigkeit, Anzahl der Einschläge und den getroffenen Modulbereichen. Auch die Unterscheidung zwischen Eis und einem anderen Prüfgegenstand zählt: UL beschreibt in einem Beitrag von 2018 sowohl einen historischen Falltest mit Stahlkugel als auch einen klassischen Beschuss mit Eiskugeln. Im dort geschilderten Eistest wurden etwa 25-mm-Kugeln an 10 bis 13 kritischen Stellen eingesetzt. Diese Angaben illustrieren eine mögliche Prüfkonfiguration, sind aber nicht automatisch die Bedingungen jedes Zertifikats oder einer aktuellen Normfassung. [UL Solutions](https://www.ul.com/news/manufacturers-say-hail-yes-solar-panel-testing)
Prüfbedingungen sind Teil des Ergebnisses
Die Widerstandsfähigkeit hängt nicht nur am Durchmesser: Geschwindigkeit und Auftreffpunkt verändern die Beanspruchung. Ein Treffer in der Nähe einer Zellkante, eines Rahmens oder einer elektrischen Verbindung kann andere Schwachstellen berühren als ein Treffer auf einer freien Glasfläche. Deshalb sollten Käufer die Trefferzahl und die Auswahl der Stellen ebenso prüfen wie die Größe des Eiskörpers. UL nennt als Sicherheitsmotiv, dass nach Glasbruch elektrisch aktive Teile zugänglich werden können. Aus einem einzelnen bestandenen Versuch folgt daher weder, dass jeder Einschlag schadlos bleibt, noch dass das System nach jedem denkbaren Treffer elektrisch unbedenklich ist. [UL Solutions](https://www.ul.com/news/manufacturers-say-hail-yes-solar-panel-testing)
Mechanischer Treffer oder elektrische Folge?
Ein Prüfprotokoll kann unterschiedliche Endpunkte betrachten. Wurde lediglich sichtbarer Glasbruch beurteilt, ist das eine andere Aussage als eine zusätzliche Prüfung auf elektrische Sicherheit oder auf veränderte Modulleistung. UL beschreibt, dass Sicherheitsfragen bei gebrochenem Glas und elektrische Leistungsänderungen nach Hagelbelastung in Prüfkontexten jeweils eine Rolle spielen können. Beim Angebotsvergleich ist daher sinnvoll, konkret nach den Abnahmekriterien und Messungen vor und nach dem Einschlag zu fragen. Die bloße Aussage „Test bestanden“ bleibt ohne diese Informationen mehrdeutig. [UL Solutions](https://www.ul.com/news/manufacturers-say-hail-yes-solar-panel-testing)
Normbezug genau benennen
Auch Normnummern brauchen Kontext. IEC 61215 ist eine Qualifikationsreihe mit verschiedenen Teilen; die IEC-Seite zur Ausgabe 2016 erläutert die damalige Struktur und weist ausdrücklich auf eine neuere Ausgabe hin. Diese Seite ist deshalb kein geeigneter Nachweis dafür, welche Ausgabe heute für ein bestimmtes Produkt gilt. Lassen Sie sich im Prüfbericht die konkret verwendete Ausgabe und gegebenenfalls ergänzende Prüfungen nennen. IEC TS 63397 setzt laut IEC zusätzliche Anforderungen für Situationen mit höherer Hagelbeanspruchung an. Das spricht dafür, Basisqualifikation und zusätzliche Hagelprüfung auseinanderzuhalten, statt beide unter einer allgemeinen Werbeaussage zusammenzufassen. [IEC 61215-1](https://webstore.iec.ch/en/publication/24312) · [IEC TS 63397](https://webstore.iec.ch/en/publication/68735)
Ein praktischer Vergleich in drei Schritten
Vergleichen Sie zwei Angebote anhand derselben Fragen: Erstens, welche Norm oder technische Spezifikation samt Ausgabe wurde angewandt? Zweitens, welche konkrete Prüflast wurde erzeugt – Eis oder anderes Projektil, Größe, Tempo und Zahl beziehungsweise Verteilung der Treffer? Drittens, was wurde danach bewertet: Bruch, elektrische Sicherheit, Leistungsänderung oder mehrere Kriterien? Ein Datenblatt, das nur „Hageltest bestanden“ sagt, lässt diese Punkte offen. Fordern Sie dann den Prüfbericht oder wenigstens eine nachvollziehbare Zusammenfassung an und gleichen Sie die Aussage mit den örtlichen Risiken und den Anforderungen Ihres Installationsprojekts ab. Die IEC bezeichnet TS 63397 als Auswahlhilfe für Regionen mit erhöhtem Risiko; sie ersetzt aber keine standortbezogene Einschätzung und garantiert keine Schadensfreiheit. [IEC TS 63397](https://webstore.iec.ch/en/publication/68735) · [UL Solutions](https://www.ul.com/news/manufacturers-say-hail-yes-solar-panel-testing)