Korrosion an PV-Unterkonstruktionen: Materialkombinationen vorab prüfen
08.10.2026
Bei einer PV-Unterkonstruktion zählt nicht nur, ob ein Metall korrosionsbeständig ist: Entscheidend sind auch die Kontaktpartner und die Feuchte- und Salzbelastung am Standort. Eine kurze Prüfung von Materialliste, kritischen Verbindungen und Herstellerfreigaben hilft, Korrosionsrisiken nicht erst nach der Montage zu entdecken.
Warum die Materialliste nicht genügt
Ein Aluminiumprofil, eine Edelstahlschraube oder eine verzinkte Stütze ist für sich betrachtet noch keine vollständige Korrosionsbewertung. Bei galvanischer Korrosion reagieren unterschiedliche Metalle, wenn sie elektrisch verbunden sind und ein leitfähiger Feuchtigkeitsfilm hinzukommt. Salze können die Leitfähigkeit dieses Elektrolyten erhöhen. Das Fraunhofer IFAM weist zudem darauf hin, dass Korrosionsbeständigkeit keine isolierte Werkstoffeigenschaft ist, sondern von den Umgebungsbedingungen abhängt. Maßgeblich ist also das gesamte Korrosionssystem: Werkstoff, Oberfläche, Kontaktstelle und Standort. [Fraunhofer IFAM: Korrosion FAQ](https://www.ifam.fraunhofer.de/de/technologien/korrosion/korrosion-faq.html)
Welche Stellen vor der Montage auf die Prüfliste gehören
Prüfen Sie nicht nur die sichtbaren Schienen. Notieren Sie für jede Verbindung, welche Teile sich berühren: etwa Modulrahmen und Klemme, Klemme und Schiene, Schiene und Dachhaken sowie Schraube, Mutter und Unterlegscheibe. Achten Sie besonders auf kleine Kontaktbereiche, Schnittkanten, beschichtete Flächen, die beim Verschrauben beschädigt werden können, und Stellen, an denen Feuchte stehen bleibt. Bei PV-Anlagen sind Kontaktstellen außerdem mitunter Teil des elektrischen Potentialausgleichs oder der Bonding-Verbindung. Ein Korrosionsproblem kann dann nicht bloß mechanisch sein, sondern die elektrische Funktion beeinträchtigen. Der US-Energieministerium-Leitfaden beschreibt galvanische und Spaltkorrosion als PV-relevante Mechanismen und verweist auf mögliche Folgen für Bonding-Verbindungen. [U.S. Department of Energy: Managing and Mitigating Solar PV Corrosion](https://www.energy.gov/cmei/femp/managing-and-mitigating-solar-pv-corrosion)
Standortbedingungen konkret benennen
Vor der Materialauswahl sollte der Standort in einfachen, überprüfbaren Punkten beschrieben werden: Liegt die Anlage in Meeresnähe oder ist sie salzhaltiger Luft ausgesetzt? Gibt es landwirtschaftliche Stäube oder Gase, industrielle Luftbelastung, häufige Feuchte oder bekannte Korrosionsschäden an benachbarten Bauteilen? Auch Boden und Wasser spielen bei Freilandanlagen eine Rolle. Der DOE empfiehlt, korrosive Einflüsse in Atmosphäre, Gas, Boden und Wasser zu erfassen. Diese Bestandsaufnahme ist keine Korrosionsmessung und ersetzt keine Fachbewertung; sie hilft aber, die richtigen Fragen an Systemanbieter oder Planer zu stellen.
Herstellerfreigabe statt pauschaler Materialregel
Aluminium und Edelstahl sind nicht automatisch eine ungeeignete Kombination – ebenso wenig ist eine Edelstahlschraube automatisch überall die richtige Lösung. Ein Branchenbeispiel zeigt, warum die Freigabe zum konkreten System gehört: In einer Produktmeldung des Bundesverbands Solarwirtschaft zu einem IBC-Flachdachsystem werden Aluminium und Edelstahl genannt und die Komponenten als aufeinander abgestimmt beschrieben. Das belegt die Aussage für dieses System, nicht für beliebige Schienen, Schrauben oder Dachhaken. Vergleichen Sie deshalb die vollständigen Materialangaben und Oberflächen der Teile mit Montageanleitung und Einsatzbereich. [Bundesverband Solarwirtschaft / IBC SOLAR, 31.08.2021](https://www.solarwirtschaft.de/2021/08/31/maximal-flexibel-das-neue-flachdach-montagesystem-ibc-aerofix-g3/).
Praktische Prüfung vor der Bestellung
Legen Sie für die Planung eine kurze Paarungsliste an: Bauteil A, Bauteil B, jeweilige Oberfläche, direkte Berührung ja oder nein, mögliche Feuchte- oder Salzbelastung und Funktion der Verbindung. Fragen Sie den Anbieter schriftlich, ob genau diese Kombination für den dokumentierten Standort freigegeben ist und wie Schnittkanten oder beschädigte Beschichtungen zu behandeln sind. Bei elektrisch leitenden Verbindungen muss zugleich geklärt sein, wie die vorgesehene Erdung beziehungsweise Bonding-Funktion erhalten bleibt. Isolierscheiben oder andere Trennmittel daher nicht eigenmächtig ergänzen: Sie können einen Metallkontakt verändern, der für die elektrische Verbindung vorgesehen ist. Wenn der Standort stark belastet ist, Korrosion vor Ort bekannt ist oder die Freigabe unklar bleibt, ist eine erfahrene Korrosionsfachkraft sinnvoll. Die Quellen liefern eine Prüflogik, aber keine universelle Materialtabelle für jede Dachkonstruktion.