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Lichtinduzierte Degradation: Verluste am Anfang verstehen

08.10.2026

LID/LeTID wird in aktuellen Fertigungsprozessen adressiert, unter anderem durch Galliumdotierung und verbesserte Herstellungsprozesse. Trotzdem lohnt es sich, frühe Leistungsabweichungen mit vergleichbaren Messwerten zu prüfen, statt Tageserträge vorschnell als Defekt zu deuten.

Was mit Anfangsdegradation gemeint ist

LID steht für „light-induced degradation“, also lichtinduzierte Degradation. Gemeint ist eine Veränderung der Zell- oder Modulleistung, die durch Beleuchtung ausgelöst wird. Ein klassischer Mechanismus ist die Aktivierung von Bor-Sauerstoff-Komplexen, die elektrische Eigenschaften der Solarzelle beeinflussen. „Anfangsverlust“ beschreibt den Zusammenhang mit der ersten Beleuchtung – nicht eine Garantie, dass jedes Modul einen identischen Rückgang zeigt. Es bedeutet auch nicht, dass ein Dachmodul nach dem ersten Sonnentag sichtbar einbricht: Das Ausmaß ist zell- und prozessabhängig. Wer nach einer Anlageinbetriebnahme einen niedrigeren Ertrag sieht, sollte daher nicht allein aus dem Kalenderzeitpunkt auf LID schließen. [Fraunhofer CSP](https://www.csp.fraunhofer.de/content/dam/imws/csp/de/documents/Diagnostik/PVI32-01_FraunhoferCSP-FinalProof.pdf)

Warum Zellmaterial und Herstellung zählen

Der Bor-Sauerstoff-Mechanismus ist für bestimmte bor-dotierte Siliziumzellen relevant. Fraunhofer ISE nennt den rekombinationsaktiven BO-Komplex als Hauptgrund für LID bei monokristallinem Cz-Silizium. Daraus folgt nicht, dass jedes Modul mit kristallinen Solarzellen denselben Verlust erfährt. Zellmaterial und Fertigung beeinflussen, wie anfällig ein konkreter Typ ist. Deshalb ist die pauschale Frage „Wie viel Anfangsdegradation haben Solarmodule?“ weniger aussagekräftig als die konkretere Frage nach dem Zelltyp und der Stabilisierung des jeweiligen Produkts. Ein Datenblatt oder Herstellerangaben können Hinweise liefern; sie ersetzen jedoch keine Messung eines konkreten Moduls unter definierten Bedingungen. [Fraunhofer ISE](https://www.ise.fraunhofer.de/en/research-projects/ultrafast-regeneration.html)

Was bei Regeneration geschieht

LID ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einem dauerhaften, gleichbleibenden Leistungsverlust. Fraunhofer ISE beschreibt, dass Ladungsträgerinjektion oberhalb von 65 °C eine permanente Deaktivierung der BO-Rekombination bewirken kann; dieser Vorgang heißt Regeneration. Das ist ein kontrollierter Prozess aus der Zellfertigung oder Laborbehandlung, keine Empfehlung, ein installiertes Dachmodul selbst zu erhitzen. Außerdem sollte LID nicht mit anderen Alterungsmechanismen gleichgesetzt werden: Ähnliche Licht- oder Temperatureinflüsse können andere Defekte und andere Zeitverläufe haben. Bei einer Diagnose kommt es deshalb darauf an, den vermuteten Mechanismus einzugrenzen und nicht jeden Leistungsrückgang als LID zu etikettieren. [Fraunhofer ISE](https://www.ise.fraunhofer.de/en/research-projects/ultrafast-regeneration.html)

Messwerte und Erwartungen praktisch einordnen

Ein Beispiel: Ein Modul wird unmittelbar nach der Herstellung vermessen und später nach einer ersten Betriebsphase erneut geprüft. Ein Unterschied kann eine anfängliche Stabilisierung widerspiegeln; ein einzelner Wechselrichter-Tageswert reicht dagegen nicht, um LID sicher festzustellen. Einstrahlung, Modultemperatur, Verschattung und Betriebszustand verändern den momentanen Ertrag ebenfalls. Bei einem Leistungsverdacht vergleichen Sie möglichst Messungen mit ähnlichen Bedingungen oder lassen Sie das Modul fachgerecht prüfen, statt aus wetterabhängigen Tageswerten allein auf einen Defekt zu schließen. Der IEA-PVPS-Bericht von Februar 2025 ordnet Galliumdotierung und verbesserte Fertigungsprozesse als Maßnahmen ein, mit denen LID/LeTID adressiert wird. Das senkt die pauschale Sorge um moderne Module, ohne individuelle Unterschiede auszuschließen. Bei Garantiefragen gelten die Prüfbedingungen aus den konkreten Produkt- und Vertragsunterlagen. [IEA PVPS](https://iea-pvps.org/key-topics/degradation-failure-modes-new-cell-module-technologies/)

Quellen

  1. Fraunhofer Center for Silicon Photovoltaics (CSP)
  2. Fraunhofer Institute for Solar Energy Systems ISE
  3. IEA Photovoltaic Power Systems Programme (IEA PVPS)