Mindeststrom beim AC-Laden: Warum kleine PV-Überschüsse nicht immer reichen
09.10.2026
Beim AC-Laden setzt der Mindestladestrom eine Untergrenze: Für sechs Ampere entsprechen die üblichen Näherungswerte rund 1,4 kW einphasig und 4,2 kW dreiphasig. Kleine Überschüsse können deshalb trotz Sonne unter der Startschwelle bleiben. Phasenumschaltung senkt die nötige PV-Leistung, während manche Systeme bei zu wenig Überschuss pausieren oder gezielt Netzstrom ergänzen.
Die Untergrenze kommt vom Auto-Ladeprozess
Eine Wallbox kann ihren Ladestrom nicht beliebig weit herunterregeln. Für AC-Laden nennt die SMA-Anleitung als Mindestwert nach IEC 61851 sechs Ampere; zugleich weist sie darauf hin, dass der Wert bei einem konkreten Fahrzeug beispielsweise auf zehn Ampere gesetzt werden kann. Der Norm-Mindestwert ist daher nicht automatisch die passende Startschwelle für jede Kombination aus Auto, Wallbox und Steuerung. [SMA: Gerätekonfiguration](https://manuals.sma.de/EVCxx20/en-US/14505536395.html) Bei 230 Volt ergeben sechs Ampere einphasig rechnerisch rund 1,38 Kilowatt. Werden drei Phasen gleichzeitig genutzt, sind es grob 4,14 Kilowatt. Entsprechend nennt go-e als gerundete Richtwerte mindestens 1,4 beziehungsweise 4,2 Kilowatt PV-Überschuss. Das sind keine beliebig kleinen Restmengen: Liegt der Überschuss darunter, kann das System den Ladestrom nicht einfach auf beispielsweise zwei Ampere reduzieren. [go-e: PV-Überschussladen](https://go-e.com/de-de/loesungen/fuer-kunden/pv-ueberschussladen)
Warum dreiphasig mehr Solarleistung verlangt
Dreiphasiges Laden verteilt den Strom auf drei Außenleiter. Bei sechs Ampere je Phase wird deshalb ungefähr die dreifache Leistung gegenüber einphasigem Laden benötigt. Ein PV-Überschuss von zwei Kilowatt kann für den Start einphasig ausreichen, bleibt aber unter dem genannten Richtwert fürs dreiphasige Laden. Eine Wallbox, die starr dreiphasig lädt, kann trotz sichtbarem Überschuss noch warten. Eine Phasenumschaltung kann die Schwelle verschieben: Liegt der Überschuss zwischen den einphasigen und dreiphasigen Richtwerten, kann ein Wechsel auf eine Phase das Laden ermöglichen, sofern Auto, Wallbox und Steuerung diese Betriebsweise unterstützen. SMA beschreibt automatische Phasenumschaltung als Möglichkeit, mehr selbst erzeugten Solarstrom zu nutzen; eine Hysterese soll häufiges Hin- und Herschalten verhindern. Das ist keine Eigenschaft jeder Anlage und muss zur konkreten Hardware passen. [SMA: Eigenschaften der Lademodi](https://manuals.sma.de/EVCxx20/en-US/14505538315.html)
Ein kleiner Überschuss kann kommen und gehen
Der relevante Überschuss ist nicht die momentane PV-Erzeugung allein: Hausverbrauch geht davon ab. Schaltet sich etwa ein Haushaltsgerät zu oder zieht eine Wolke über die Anlage, kann ein zunächst ausreichender Rest wieder unter die Mindestschwelle sinken. Wie eine Steuerung darauf reagiert, hängt von ihren Einstellungen ab. Im beschriebenen SMA-PV-Überschussmodus beginnt die Ladung erst, wenn das Optimierungsziel erreicht werden kann; reicht der Überschuss nicht, findet keine Ladung statt. [SMA: Eigenschaften der Lademodi](https://manuals.sma.de/EVCxx20/en-US/14505538315.html) Wichtig ist auch die konkrete Fahrzeugkonfiguration: Die SMA-Anleitung nennt sechs Ampere als Mindestwert nach IEC 61851, erwähnt aber eine Anpassung für ein bestimmtes Fahrzeug, zum Beispiel auf zehn Ampere. Damit steigt auch die Leistung, die für den Start erforderlich ist. Ein angezeigter Überschuss nahe der Schwelle garantiert also nicht, dass jede Fahrzeug-Wallbox-Kombination schon lädt. [SMA: Gerätekonfiguration](https://manuals.sma.de/EVCxx20/en-US/14505536395.html)
Was sich praktisch einstellen lässt
Zuerst lohnt ein Blick auf den eingestellten Mindeststrom und die gewählte Phasenzahl. Wenn Anlage, Wallbox und Auto es zulassen, kann ein einphasiger Start kleinere Überschüsse nutzbar machen; automatische Phasenumschaltung kann den Wechsel übernehmen. Die konkreten Wechselbedingungen und Pausen unterscheiden sich je nach System. [SMA: Eigenschaften der Lademodi](https://manuals.sma.de/EVCxx20/en-US/14505538315.html) Wer auch bei wenig Sonne laden möchte, kann bei manchen Systemen Netzbezug als Ergänzung erlauben. Im SMA-Lademodus „PV-Überschuss plus Netzstrom“ wird bei geringer PV-Leistung eine feste Strommenge aus dem Netz bezogen. Das ist nicht mehr reines Überschussladen, kann aber einen Ladeabbruch vermeiden. Prüfe deshalb, ob die Priorität für dich Eigenverbrauch oder ein verlässlicher Ladefortschritt ist. [SMA: Solar-Lademodus einstellen](https://manuals.sma.de/EVCB/en-US/15196748555.html)
Ein schneller Plausibilitätscheck
Angenommen, nach dem Haushaltsverbrauch bleiben gerade zwei Kilowatt übrig. Als grobe Orientierung liegt das oberhalb des von go-e genannten einphasigen Startwerts von 1,4 Kilowatt, aber unter dem dreiphasigen Richtwert von 4,2 Kilowatt. Bei einer dafür geeigneten Anlage könnte einphasiges Laden starten; bei fest dreiphasigem Betrieb oder einer höheren Mindeststrom-Einstellung kann derselbe Überschuss zu wenig sein. Fällt der Rest unter die Mindestschwelle, pausiert ein reiner PV-Modus gegebenenfalls, statt den fehlenden Strom unbemerkt aus dem Netz zu holen. [go-e: PV-Überschussladen](https://go-e.com/de-de/loesungen/fuer-kunden/pv-ueberschussladen), [SMA: Eigenschaften der Lademodi](https://manuals.sma.de/EVCxx20/en-US/14505538315.html) Die sinnvollste Prüfung ist deshalb nicht nur „Wie viel erzeugt die Anlage?“, sondern: Welche Leistung bleibt am Hausanschluss tatsächlich übrig, mit wie vielen Phasen lädt das Auto, und welcher Mindeststrom ist eingestellt? Ein Wechsel der Phasen oder eine bewusst erlaubte Netzbeimischung kann helfen – vorausgesetzt, die konkrete Hardware bietet die Funktion und ist passend konfiguriert.