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Passive Kühlung mit Erdwärmepumpe: Hilfsstrom in die PV-Bilanz einrechnen

09.10.2026

Passive Kühlung mit Erdsonde benötigt weniger Strom als ein Verdichterbetrieb, ist aber nicht stromlos: Pumpen und Regelung laufen weiter. Wer ihre Wirkung auf die PV-Bilanz bewerten will, erfasst den Hilfsstrom getrennt und ordnet ihn zeitlich dem tatsächlichen PV-Eigenverbrauch zu, statt den Kühlverbrauch mit der gesamten Sommerproduktion zu verrechnen.

Passiv heißt nicht stromlos

Bei der passiven Kühlung einer Sole-Wasser-Anlage wird Wärme aus dem Gebäude über den Erdkreis abgeführt, ohne dass der Verdichter den Kältekreislauf für aktive Kühlung antreibt. Elektrisch arbeiten aber je nach Anlagenhydraulik Umwälzpumpe(n), Regelung und gegebenenfalls Ventilantriebe. Diese Hilfsenergie gehört zum Kühlverbrauch. Der Begriff „passiv“ beschreibt hier also die Art der Kältebereitstellung, nicht einen Betrieb ohne Strom. Bosch benennt Pumpe und Regelung als verbleibende Verbraucher ([Bosch Home Comfort](https://www.bosch-homecomfort.com/de/de/wohngebaeude/wissen/heizungsratgeber/waermepumpe/waermepumpe-kuehlen/)).

Was in die PV-Bilanz gehört

Trennen Sie zwei Fragen: Wie viel Strom hat die Kühlung verbraucht, und welcher Anteil davon wurde tatsächlich zeitgleich aus der PV-Anlage oder einem Speicher gedeckt? Für den ersten Wert eignet sich ein separater Stromzähler am Kühlmodul beziehungsweise an den betroffenen Pumpen und der Steuerung. Ein Wärmemengenzähler reicht dafür nicht: Er erfasst abgeführte Wärme, nicht elektrische Hilfsenergie. Für die zweite Frage nutzen Sie die Messwerte des Wechselrichters, Energiemanagementsystems oder der Zähler für Netzbezug und Einspeisung. Die im UBA-Fachbericht beschriebene lückenhafte statistische Erfassung des Selbstverbrauchs ist ein guter Grund, sich bei der eigenen Bilanz auf Anlagenmesswerte statt auf pauschale Tabellenwerte zu stützen ([Umweltbundesamt](https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/wissenschaftliche-analysen-zu-ausgewaehlten-5)).

Jahreswerte nicht gegeneinander verrechnen

Die PV-Anlage kann an einem sonnigen Mittag Überschuss erzeugen, während eine Pumpe morgens, abends oder bei geringer Einstrahlung läuft. Eine Gegenüberstellung „Sommerertrag minus Kühlstrom“ zeigt deshalb nicht, wie viel des Kühlbetriebs solar gedeckt war. Betrachten Sie möglichst Zeitintervalle, in denen Erzeugung, Hauslast, Speicherladung und Netzaustausch gleichzeitig erfasst werden. Fraunhofer ISE berichtet für sechs Wärmepumpen-PV-Kombinationen Eigenverbrauchs- und Autarkiewerte auf Gebäudeebene; diese Werte sind keine Kennzahl für die passive Kühlfunktion allein ([Fraunhofer ISE, 2025](https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2025/waermepumpen-heizen-auch-im-altbau-klimafreundlich-forschungsprojekt-des-fraunhofer-ise-abgeschlossen.html)).

Ein Rechenbeispiel mit klarer Grenze

Angenommen, ein separater Zähler weist über eine Kühlperiode 7,2 kWh für die beteiligten Pumpen und die Regelung aus. Diese 7,2 kWh sind der elektrische Hilfsverbrauch der Kühlung und gehören in die Verbrauchsspalte der Anlage. Nehmen wir zusätzlich an, ein zeitaufgelöstes Energiemanagement weist davon 3,0 kWh als zeitgleich durch PV gedeckten Verbrauch aus: Dann verbleiben 4,2 kWh, die nicht als PV-gedeckt ausgewiesen werden sollten. Beide Zahlen sind nur ein Rechenbeispiel, kein typischer Anlagenwert. Ohne separate Messung lässt sich die genaue Aufteilung nicht aus der thermischen Kühlleistung oder der PV-Jahresproduktion ableiten.

Messgrenzen und vorsichtige Vergleiche

Zählen Sie nur die Stromkreise, die tatsächlich für den Kühlbetrieb laufen. Je nach Einbindung kann eine gemeinsame Pumpe auch andere Funktionen bedienen; ohne geeignete Messung lässt sich ihr Kühlanteil nicht sauber herauslösen. Der Fraunhofer-ISE-Monitor dokumentiert bei einem Erdreichsystem einen hohen Anteil der Wärmequellenpumpe am Stromverbrauch, hält aber zugleich fest, dass die passive Kühlung in diesem konkreten Fall nicht genutzt wurde. Der Pumpenwert ist deshalb kein Verbrauchsmaß für passive Kühlung und darf nicht als typischer Hilfsstromwert übertragen werden ([Fraunhofer ISE, Anlagenprofil](https://wp-monitoring.ise.fraunhofer.de/wp-monitor-plus/ise/zza19/index.html)).

Quellen

  1. Bosch Home Comfort
  2. Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE
  3. Umweltbundesamt
  4. Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE