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Prognosebasiertes Laden: Warum der PV-Speicher nicht sofort voll sein muss

09.10.2026

Ein Batteriespeicher muss PV-Überschüsse nicht automatisch sofort aufnehmen. Eine Ladeplanung mit PV- und Lastprognose kann Platz für hohe Solarüberschüsse lassen – doch sie verändert auch Eigenverbrauch und Autarkie und hängt von Systemziel und Prognose ab.

Der volle Akku am Morgen ist nicht immer das Ziel

Bei einer klassischen, auf Eigenverbrauch ausgerichteten Steuerung beginnt der Speicher zu laden, sobald die PV-Anlage mehr erzeugt, als das Haus gerade verbraucht. Das ist naheliegend: Der Überschuss landet im Akku statt im Netz. Eine prognosebasierte Steuerung setzt einen anderen Akzent. Sie lässt die Batterie zunächst teilweise frei und lädt gezielter, sobald die erwartete PV-Leistung eine virtuelle Einspeisegrenze überschreitet. So steht am späteren Tag noch Aufnahmekapazität bereit, wenn die Solarproduktion besonders hoch ist. Die Idee ist nicht, den Akku absichtlich leer zu halten, sondern die verfügbare Speicherkapazität über den Tagesverlauf besser zu verteilen. [HTW Berlin: PVprog-Algorithmus](https://solar.htw-berlin.de/pvprog-algorithmus/)

Was in die Ladeplanung eingeht

Ein Fahrplan braucht mehr als eine Wetter-App. Der PVprog-Ansatz betrachtet die erwartete Erzeugung und den voraussichtlichen Haushaltsverbrauch: Erst deren Differenz zeigt, wann Überschuss wahrscheinlich ist. Die HTW Berlin nennt für ihre ganztägige Vorausplanung bis zum Sonnenuntergang einen Horizont von 15 Stunden. Die Prognose muss dabei nicht zwingend von einem externen Wetterdienst kommen. Im Energiemanagement-Test von HTW Berlin und KIT arbeiteten etwa die Systeme von Fenecon, Kostal und RCT Power ohne Internetverbindung und nutzten Messwerte aus dem Haus. Das macht den Ansatz nicht unfehlbar: Ein unerwarteter Wolkenzug oder ein zusätzlicher Verbraucher kann den tatsächlichen Verlauf vom Plan abweichen lassen. [HTW Berlin: PVprog-Algorithmus](https://solar.htw-berlin.de/pvprog-algorithmus/) · [HTW Berlin und KIT: Energiemanagement-Test](https://solar.htw-berlin.de/publikationen/energiemanagement-test-stromspeicher-inspektion-2025/)

Ein Rechenbeispiel – und was es nicht beweist

Die Größenordnung lässt sich an zwei veröffentlichten Untersuchungen einordnen, die jedoch nicht direkt miteinander vergleichbar sind. Im HTW-Berlin/KIT-Test des Zeitraums Juni 2024 reduzierten die prognosebasierten Strategien bei drei genannten Systemen die Abregelungsverluste um 4 bis 7 Prozentpunkte. Eine ältere Fraunhofer-ISE-Simulation verglich zwei Betriebsweisen innerhalb desselben Modellrahmens: Die Verluste durch Abregelung und MPP-Tracker sanken dort von 6,3 auf 2,9 Prozent. Gleichzeitig verringerte sich in diesem Modell der Eigenverbrauchsanteil auf 54,1 Prozent. Das zeigt den Zielkonflikt: Wer Einspeisespitzen glättet, kann mehr PV-Leistung aufnehmen, muss aber nicht automatisch den Eigenverbrauch oder die Autarkie maximieren. Die Fraunhofer-Arbeit betont zudem, dass ihr Ergebnis auf dem Lastprofil eines einzigen Haushalts beruht – kein allgemeines Versprechen für jedes Dach und jeden Speicher. [HTW Berlin und KIT: Energiemanagement-Test](https://solar.htw-berlin.de/publikationen/energiemanagement-test-stromspeicher-inspektion-2025/) · [Fraunhofer ISE: Regelungskonzepte für PV-Heimspeicher](https://publica-rest.fraunhofer.de/server/api/core/bitstreams/95290073-0e85-4d82-83fc-1b0f6c3e056f/content)

Für wen sich das Prinzip besonders anbietet

Sinnvoll ist prognosebasiertes Laden vor allem dann, wenn ein Speicher tagsüber häufig früh voll wird, während später noch hohe PV-Leistung anfällt oder eine Einspeisegrenze relevant ist. Es geht dann um Ladeplanung statt um die simple Regel „Überschuss gleich Akku“. Entscheidend ist das konkrete Optimierungsziel: Netzentlastung und geringere Abregelung können mit einem niedrigeren Eigenverbrauchsanteil einhergehen. Prüfen Sie deshalb in den Einstellungen, ob sich der Speicher auf Eigenversorgung, Einspeisebegrenzung oder ein anderes Ziel optimiert, und beobachten Sie mehrere Tage mit unterschiedlichem Wetter. Eine einzelne Prognose oder ein einzelner Sonnentag reicht nicht, um die Eignung für das eigene System zu beurteilen. [HTW Berlin: PVprog-Algorithmus](https://solar.htw-berlin.de/pvprog-algorithmus/) · [HTW Berlin und KIT: Energiemanagement-Test](https://solar.htw-berlin.de/publikationen/energiemanagement-test-stromspeicher-inspektion-2025/)

Quellen

  1. Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin)
  2. Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin)
  3. Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE