PV-Freigabe an der Wärmepumpe: Was ein Schaltkontakt wirklich auslöst
09.10.2026
Ein PV-Signal an die Wärmepumpe ist meist eine Betriebsanforderung, kein direkter Einschaltknopf. Entscheidend sind Eingangsbeschaltung, Regelung und Sollwerte. Der Beitrag erklärt den Signalweg, zeigt ein Überschuss-Beispiel und benennt Grenzen der Kontaktsteuerung.
Kontakt statt Zauberschalter
Die Bezeichnung „PV-Freigabe“ klingt, als würde ein einzelner Kontakt die Wärmepumpe unmittelbar ein- und ausschalten. In einer üblichen SG-Ready-Kopplung ist die Funktion differenzierter: Ein Relais meldet der Regelung einen von mehreren definierten Signalzuständen. Die Regelung entscheidet anschließend anhand ihrer Betriebsart, ihrer Sollwerte und der Anlagenbedingungen, was sie daraus macht. Der Kontakt schaltet also nicht selbst den Verdichter und überbrückt auch nicht die interne Regelung. Die Schnittstellenbeschreibung des Bundesverbands Wärmepumpe sieht bei Heizungswärmepumpen vier Betriebszustände vor. Ein davon unterscheidet sich durch den verstärkten Betrieb; er kann überschüssigen Strom beispielsweise über angehobene Solltemperaturen in Wärme speichern. Was „verstärkt“ genau bedeutet, ist nicht universal festgelegt; es hängt vom Regler und seiner Konfiguration ab.
Der Signalweg in drei Schritten
Ein einfaches Beispiel aus dem Leitfaden: Der Wechselrichter überwacht eine eingestellte PV-Leistung. Erreicht die Erzeugung den Schwellwert, schaltet sein potentialfreies Relais. Über die Steuerleitung wird damit am Wärmepumpenregler ein Eingangszustand gemeldet. Erst dort wird das Signal in eine vorgesehene Betriebsanforderung übersetzt. Die Ansprechschwelle ist eine Einstellung: Sie sollte zur Anlage passen und darf nicht mit dem tatsächlichen Momentanüberschuss gleichgesetzt werden. „Kontakt geschlossen“ beschreibt zunächst nur den Zustand des Relais, nicht die komplette Energiesituation des Hauses.
Was der Kontakt nicht weiß
Ein einzelnes Ein/Aus-Relais übermittelt normalerweise nur, ob die eingestellte Bedingung erfüllt ist. Es liefert für sich genommen keine kontinuierliche Messung des Hausverbrauchs und keine Information darüber, wie viel Strom gerade tatsächlich übrig bleibt. Im Leitfaden wird die PV-Leistung als Schaltkriterium genannt; zugleich verbrauchen im Haus weitere Geräte Strom. Ein Schwellwert, der lediglich der Nennaufnahme der Wärmepumpe entspricht, garantiert daher nicht, dass deren gesamter Verbrauch aus Solarstrom gedeckt wird. Beispiel: Liefert eine Anlage gerade genug Leistung für den eingestellten Trigger, während parallel ein Haushaltsgerät anspringt, kann Netzstrom den Unterschied ausgleichen. Das Relais hat trotzdem korrekt geschaltet – nur ist „Freigabe“ keine Zusage für vollständige solare Versorgung.
Warum die Wärmepumpe nicht sofort reagieren muss
Das Signal ist eine Betriebsanforderung innerhalb der Regelung, kein Versprechen für einen augenblicklichen Verdichterstart. Für den dritten SG-Ready-Zustand hält die technische Schnittstellenbeschreibung ausdrücklich fest, dass es sich nicht um einen definitiven Anlaufbefehl, sondern um eine Einschaltempfehlung handelt. Ob die Pumpe Wärme erzeugt, hängt unter anderem davon ab, ob Wärmebedarf besteht, welche Betriebsart aktiv ist und welche Temperaturen bereits erreicht sind. Der Zweck des verstärkten Modus kann gerade darin bestehen, Sollwerte anzuheben und Wärme für später vorzuhalten. Bei Warmwasser oder Puffer geschieht die Speicherung in Form höherer Temperatur, nicht als elektrischer Speicher. Eine „Freigabe“ kann somit bedeuten, dass die Regelung mehr Wärme bereitstellen darf oder soll, nicht dass sie jede Schutz- oder Betriebsbedingung ignoriert.
Einrichten und prüfen lassen
Vor der Verdrahtung müssen die Anleitung genau dieses Wärmepumpenreglers und die Relaisausgänge des Wechselrichters zusammenpassen. Bezeichnungen wie PV-Eingang, SG1 oder SG2 sind nicht von Gerät zu Gerät austauschbar; die Schnittstellenbeschreibung nennt definierte Zustände, aber die konkreten Anschlüsse und Einstellungen stehen im jeweiligen Gerätehandbuch. Daraus folgt nicht, dass alle Regler dieselbe Kontaktlogik oder elektrische Ausführung nutzen. Lassen Sie daher vom Fachbetrieb dokumentieren, welcher Kontakt welchen Zustand setzt, ob der verstärkte Betrieb tatsächlich aktiviert ist und welche Sollwerte er verändert. Beim Funktionstest sollte man nicht nur auf die Relais-LED des Wechselrichters schauen: Wichtig ist auch, ob der Wärmepumpenregler den vorgesehenen Zustand erkennt und seine Betriebsanzeige entsprechend wechselt.
Die praktische Erwartung
Eine Kontaktsteuerung eignet sich vor allem für eine einfache Schwellenlogik: Wird ein konfigurierter PV-Wert erreicht, wird ein definierter Zustand angefordert. Sie ist kein dynamisches Energiemanagement mit fein dosierter Leistungsregelung. Wer mit der Wärmepumpe gezielt Überschuss nutzen will, sollte deshalb Schaltschwelle, Wärmespeicher und Regelungsverhalten gemeinsam betrachten. Je nach Haus kann eine höhere Warmwasser- oder Puffertemperatur zusätzlichen Solarstrom aufnehmen; wie weit das sinnvoll ist, bestimmen Gerätevorgaben und Wärmebedarf. Der entscheidende Denkwechsel: Nicht der Kontakt „macht die Wärme“, sondern er signalisiert einen Anlass, den die Wärmepumpensteuerung nach ihren eigenen Regeln verarbeitet.