PV im Kleingewerbe: Tageslastprofil als Auslegungsgrundlage
09.10.2026
Für die PV-Auslegung im Kleingewerbe reicht der Jahresverbrauch allein nicht: Entscheidend ist, wann der Betrieb Strom benötigt und wann die Anlage ihn erzeugt. Ein eigenes Lastprofil oder ein passendes Standardprofil ermöglicht den Vergleich von Verbrauch und PV-Erzeugung; Dachfläche, Ausrichtung und Anlagentechnik bleiben ebenfalls wichtige Eingaben.
Warum die Jahressumme nicht genügt
Zwei Kleingewerbe können pro Jahr ähnlich viel Strom verbrauchen und trotzdem ganz unterschiedliche Anforderungen an eine Photovoltaikanlage haben: In einer Werkstatt läuft ein Teil der Maschinen während der Arbeitszeit; ein Betrieb mit Kühlung oder Abendgeschäft braucht Strom zu anderen Zeiten. Für den Eigenstrom zählt daher nicht nur die Energiemenge des Jahres, sondern vor allem die zeitliche Überschneidung von Verbrauch und PV-Erzeugung. Ein PV-Planungstool des Fraunhofer CSP stellt dafür Verbrauchs- und Erzeugungskurven gegenüber und berücksichtigt den Jahresverbrauch ebenso wie Dachfläche und Ausrichtung.
Erst messen, dann ein Profil wählen
Starten Sie mit den vorhandenen Daten: Prüfen Sie Stromabrechnungen, Energiemanagement oder Messwerte des Betriebs. Fragen Sie bei Versorger oder Netzbetreiber nach, ob ein eigener Lastgang verfügbar ist. Wo keine individuellen Lastgangdaten vorliegen, können Standardlastprofile einen ersten Ersatzvergleich liefern. Sie bilden typische Kundengruppen in Viertelstundenwerten ab, nicht automatisch den konkreten Betrieb. Auch bei der Profilwahl macht die Betriebszeit einen Unterschied: G1 steht für werktäglichen Verbrauch von 8 bis 18 Uhr, G2 für Abendverbrauch und G3 für ein durchlaufendes Gewerbe. Diese Profile sind Orientierung, keine Messung Ihres tatsächlichen Verbrauchs.
Ein Beispiel für die praktische Auswertung
Angenommen, eine kleine Tischlerei arbeitet überwiegend werktags tagsüber, während Absaugung und einzelne Maschinen zeitweise laufen. Legen Sie für einen typischen Arbeitstag die gemessene Last und eine simulierte PV-Erzeugung in derselben Zeitauflösung nebeneinander. Intervall für Intervall lässt sich dann fragen: Welcher Anteil der PV-Leistung fällt in eine Zeit, in der der Betrieb tatsächlich Strom benötigt? Ein Verbrauchsprofil mit einem klaren Arbeitstagsmuster kann von einem allgemeinen Jahreswert deutlich abweichen. Das Beispiel ist schematisch; tatsächliche Werte hängen von Messdaten, Wetter, Dach und Anlagenplanung ab.
So wird das Lastprofil zur Auslegungsgrundlage
Ein sinnvoller Ablauf ist: (1) Jahresverbrauch und möglichst zeitaufgelöste Verbrauchsdaten zusammenstellen. (2) Fehlen eigene Daten, ein passendes Standardprofil als vorläufige Annahme wählen und die Abweichungen des Betriebs notieren. (3) Dachfläche, Ausrichtung und mögliche Modulfläche erfassen. (4) Mehrere Anlagenvarianten simulieren und Verbrauchs- mit Erzeugungskurven vergleichen. Das CSP-Tool erlaubt es, ein Profil hochzuladen oder auszuwählen und auf den gewünschten Gesamtverbrauch zu skalieren; anschließend werden Module und Dachfläche definiert. Neben der Anlagengröße beeinflussen auch Modul- und Wechselrichterwahl sowie Neigung und Ausrichtung die Planung.
Interpretation: Eigenstrom ist nicht Autarkie
Eine größere PV-Anlage kann einen größeren Teil des betrieblichen Jahresbedarfs abdecken und zugleich zu Zeiten hoher Erzeugung Überschüsse produzieren. Darum sollte ein Ergebnis nicht anhand einer einzelnen Kennzahl beurteilt werden: Entscheidend ist, ob die simulierten Kurven zu Betriebszeiten und Dach passen und wie viel Netzbezug verbleibt. Rechnerergebnisse sind nur so belastbar wie Eingaben und Annahmen; der Fraunhofer-IFAM-Rechner beschreibt seine Resultate als unverbindliche Anhaltspunkte. Standardprofile können Abweichungen bei Schichtbetrieb, saisonalen Aufträgen oder Wochenenden übersehen. Vor einer Investitionsentscheidung gehören deshalb individuelle Daten und eine konkrete technische Prüfung dazu.