PV-Prognose für die Wallbox: Ladezeit sinnvoll begrenzen
09.10.2026
PVGIS stellt stündliche Einstrahlungsdaten bereit, doch die Ladeplanung muss den konkreten Bedarf und das verfügbare Zeitfenster zusätzlich berücksichtigen.
Prognose als Planungshilfe, nicht als Zusage
Eine PV-Prognose kann den wahrscheinlichen Tagesverlauf der Erzeugung abschätzen und damit helfen, ein Ladefenster zu wählen. Sie sollte aber nicht als zugesicherte Energiemenge gelesen werden: Schon Wolken beeinflussen, wie viel Sonnenlicht die Module erreicht. Das US-Energieministerium nennt Wolkenart, -ort und -vorkommen als Faktoren, von denen die verfügbare Sonneneinstrahlung abhängt. [Quelle: U.S. Department of Energy](https://www.energy.gov/cmei/systems/articles/research-helps-texas-renewables-work-better-together). Historische oder typische Ertragsverläufe sind außerdem nicht mit einer aktuellen Wettervorhersage gleichzusetzen. PVGIS der Europäischen Kommission bietet stündliche Einstrahlungsdaten und Werte zur PV-Produktion. Das eignet sich als Orientierung für saisonale Muster und typische Zeitfenster, aber nicht als Garantie für den morgigen Überschuss. [PVGIS-Handbuch](https://joint-research-centre.ec.europa.eu/photovoltaic-geographical-information-system-pvgis/using-pvgis-5/pvgis-5-user-manual_en).
Drei Zeiten auseinanderhalten
Für die Ladeplanung sind drei Angaben hilfreich: Bis wann muss das Auto abfahrbereit sein? Wie viele Kilowattstunden sollen bis dahin mindestens in den Akku? Und in welchen Stunden darf die Wallbox laden? Diese Angaben beantworten verschiedene Fragen. Das Zeitfenster setzt die Ladezeit-Grenze; ein Energieziel definiert den Bedarf. Ein Fronius-EMIL-Ladeprofil kann PV-Ertragswerte unterschiedlicher zeitlicher Auflösung liefern, während die konkrete Wallbox separat konfiguriert wird. [PVGIS-Handbuch](https://joint-research-centre.ec.europa.eu/photovoltaic-geographical-information-system-pvgis/using-pvgis-5/pvgis-5-user-manual_en). Das geplante Ende sollte etwas vor der tatsächlichen Abfahrt liegen. Ein Puffer lässt Zeit für eine verspätete Ladefreigabe, wechselnde Erzeugung oder eine manuelle Kontrolle. Wer nur „bis 7 Uhr“ einstellt, obwohl die Abfahrt um 7 Uhr ist, hat keinen Spielraum bei Abweichungen.
Ein einfaches Rechenbeispiel
Angenommen, das Fahrzeug benötigt noch 12 kWh und kann über Nacht beziehungsweise am Vormittag bis zur Abfahrt sechs Stunden angeschlossen bleiben. Für die nötige mittlere Ladeleistung ergibt sich rechnerisch 12 kWh ÷ 6 h = 2 kW. Das ist nur ein Planungswert: In der Praxis ändern sich Ladeleistung und Wirkungsgrad, und die PV-Anlage liefert nicht in jeder Stunde denselben Überschuss. Legen Sie zunächst den Mindestbedarf fest, der für die nächste Fahrt benötigt wird. Vergleichen Sie diesen dann mit dem erwarteten Verlauf im verfügbaren Fenster. Wenn die Prognose unsicher oder wechselhaft ist, planen Sie nicht den gesamten Bedarf ausschließlich aus Solarstrom ein. Entscheiden Sie bewusst, ob Netzstrom als Reserve zulässig ist oder ob eine frühere Abfahrt mit weniger Ladung akzeptabel wäre.
Ladefenster begrenzen und Reserve wählen
Begrenzen Sie das Fenster auf Zeiten, in denen das Auto tatsächlich angeschlossen ist und voraussichtlich PV-Überschuss verfügbar sein kann, lassen Sie aber vor dem Abfahrtszeitpunkt etwas Reserve. Bei einer prognostizierten Wolkenlücke am Mittag kann ein passendes Tagesfenster sinnvoller sein als ein unnötig langes „ganztägig“-Fenster. Prüfen Sie die Prognose und den tatsächlichen Ladezustand am Vorabend oder morgens erneut. Stellen Sie die maximale Energiemenge nicht höher als den realen Bedarf, wenn Wallbox oder Energiemanagement diese Begrenzung unterstützen. Eine Zeitbegrenzung allein verhindert nicht automatisch, dass das Fahrzeug mehr Energie als gewünscht aufnimmt. In EMIL ist die maximale Energiemenge eine eigene Vorgabe. [Fronius EMIL](https://manuals.fronius.com/html/4204260451/de.html).
Nachsteuern anhand realer Ladevorgänge
Nach einigen Ladezyklen lässt sich die Planung mit den tatsächlich beobachteten Zeiten und Energiemengen besser auf den eigenen Alltag abstimmen. Notieren Sie, wann geladen wurde und wie viele Kilowattstunden ankamen. In EMIL werden Start- und Endzeit sowie geladene Energie einer Sitzung angezeigt. [Fronius EMIL Bedienungsanleitung](https://manuals.fronius.com/html/4204260451/de.html). Diese Rückschau ersetzt keine Wetterprognose, macht aber wiederkehrende Grenzen sichtbar: etwa ein zu spätes Ladefenster oder einen Bedarf, der an bewölkten Tagen regelmäßig nicht gedeckt wird. Falls eine garantierte Mindestladung bis zur Abfahrt wichtig ist, sollte die Steuerung eine erlaubte Netzstrom-Reserve oder einen separaten Ladeplan vorsehen. Modi und genaue Umsetzung unterscheiden sich je nach Wallbox, Wechselrichter, Fahrzeug und Energiemanagement. Prüfen Sie daher die Geräteeinstellungen und deren Verhalten bei Ladepause und Verbindungsverlust anhand der Herstellerunterlagen.