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PV-Simulationen lesen: Szenarien und Modellgrenzen erkennen

08.10.2026

Eine PV-Simulation liefert keine Ertragsgarantie, sondern eine modellierte Antwort auf konkrete Eingaben. Wer Wetterdatensatz, Verschattung und Verluste als Szenarien prüft, kann Planungswerte sinnvoll einordnen.

Ein Ergebnis ist nur so belastbar wie sein Szenario

Eine Jahreszahl aus einer PV-Simulation wirkt präzise, ist aber keine Vorhersage für ein bestimmtes künftiges Jahr. Sie beschreibt, was ein Modell aus Standort, Wetterdaten und technischen Eingaben ableitet. Deshalb beginnt die Prüfung nicht mit der letzten Nachkommastelle des Ertrags, sondern mit der Frage: Welche Anlage und welche Bedingungen wurden tatsächlich gerechnet? Das JRC stellt für PVGIS 6 eine Kurzanleitung zur Bedienoberfläche bereit; notieren Sie neben dem Ergebnis deshalb auch Tool-Version und Eingabestand. [PVGIS-6-Kurzanleitung des JRC](https://joint-research-centre.ec.europa.eu/photovoltaic-geographical-information-system-pvgis/using-pvgis-6/pvgis-6-user-guide_en)

Planungsdaten zuerst auf Plausibilität prüfen

Erfassen Sie vor dem Vergleich mindestens Standort, Ausrichtung und Neigung jeder Dachfläche, angesetzte Spitzenleistung sowie verwendete Modul- und Wechselrichterannahmen. Die Nennleistung bezieht sich auf standardisierte Testbedingungen, nicht auf die Leistung im Alltag; draußen verändern Einstrahlung und Modultemperatur die Leistung. Prüfen Sie daher, ob die Simulation dieselbe kWp-Leistung verwendet wie das Angebot und ob Teilflächen mit unterschiedlichen Himmelsrichtungen getrennt abgebildet sind. Bei einer Ost-West-Belegung kann eine einzelne, für beide Dachseiten gedachte Ausrichtung einen Vergleich verzerren. [JRC: Berechnungsmethoden](https://joint-research-centre.ec.europa.eu/photovoltaic-geographical-information-system-pvgis/general-information/data-sources-calculation-methods_en) und [JRC: häufige Fragen](https://joint-research-centre.ec.europa.eu/photovoltaic-geographical-information-system-pvgis/general-information/frequently-asked-questions_en)

Wetterdatensatz und Zeitraum gehören zum Ergebnis

Ein Ertrag ist nicht unabhängig davon, welche Einstrahlungsdaten in die Rechnung eingehen. Satellitenbasierte Datensätze decken große Gebiete und lange Zeiträume ab, sind aber modellierte Daten: Laut JRC kann Schnee in Satellitenbildern als Wolke erkannt werden. Bei einer auffälligen Abweichung zwischen zwei Simulationen sollten Sie deshalb zuerst prüfen, ob tatsächlich derselbe Datensatz und dieselbe Periode verwendet wurden, statt den höheren Wert automatisch für den besseren zu halten. Dokumentieren Sie diese Auswahl, damit ein späterer Angebotsvergleich dieselbe Basis nutzt. [JRC: Datenquellen und Berechnungsmethoden](https://joint-research-centre.ec.europa.eu/photovoltaic-geographical-information-system-pvgis/general-information/data-sources-calculation-methods_en)

Szenarien statt scheinbar exakter Prognose

Rechnen Sie nicht nur einen Idealwert. Legen Sie mindestens ein Basisszenario und ein vorsichtigeres Szenario an: etwa mit der vom Planer erwarteten Dachbelegung gegenüber einer Variante, in der ein realistischer Teil der Modulfläche zeitweise verschattet ist. Das integrierte Geländemodell nutzt eine Rasterauflösung von ungefähr 90 Metern und erfasst nahe Bäume, Schornsteine oder Nachbarhäuser nicht als Schattenquellen. Für solche Objekte sind vor Ort erhobene Schattenverläufe oder eine detaillierte Anlagenplanung nötig. Bei Unsicherheit sollten Sie die Szenariospanne nennen, nicht eine einzelne Zahl als sichere Erwartung verkaufen. [JRC: Berechnungsmethoden](https://joint-research-centre.ec.europa.eu/photovoltaic-geographical-information-system-pvgis/general-information/data-sources-calculation-methods_en)

Verluste nicht doppelt oder falsch rechnen

Verlustannahmen sind eine häufige Fehlerquelle: Kabel, Wechselrichter, Verschmutzung oder Verschattung können in unterschiedlichen Eingabefeldern stecken. Prüfen Sie, welche Effekte das Tool bereits abbildet und was als pauschaler Systemverlust zusätzlich eingegeben wird. PVGIS kombiniert seine Verlustanteile multiplikativ, nicht durch schlichtes Addieren. Als Illustration nennt das JRC 3,7 Prozent Winkelverlust, 7,2 Prozent Temperatur-/Einstrahlungseinfluss und 14 Prozent Systemverlust; zusammen ergeben sie nach der multiplikativen Rechnung 23,1 Prozent, nicht die Summe der drei Werte. Die Zahlen sind ein Rechenbeispiel, kein allgemeiner Standard für Ihr Dach. [JRC: FAQ zu PVGIS](https://joint-research-centre.ec.europa.eu/photovoltaic-geographical-information-system-pvgis/general-information/frequently-asked-questions_en)

So wird die Simulation zur brauchbaren Planungsgrundlage

Für eine nachvollziehbare Entscheidung speichern Sie einen kurzen Rechenzettel: Standort, Dachseiten und Neigungen, kWp, verwendeter Wetterdatensatz, Tool-Version, Verlustannahmen und Besonderheiten wie Bäume oder Gauben. Vergleichen Sie Angebote nur, wenn diese Eckdaten übereinstimmen; sonst vergleichen Sie unterschiedliche Szenarien statt unterschiedliche Qualität. Fragen Sie bei großen Abweichungen gezielt nach dem Grund – etwa anderer Verschattung, anderer Leistungseingabe oder anderer Wetterbasis – und lassen Sie die betreffende Annahme einzeln ändern. So zeigt die PV-Simulation, welche Planungsdaten den Ertrag treiben und wo eine Vor-Ort-Prüfung wichtiger ist als noch eine Dezimalstelle.

Quellen

  1. Joint Research Centre der Europäischen Kommission
  2. Joint Research Centre der Europäischen Kommission
  3. Joint Research Centre der Europäischen Kommission