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PV-Wirtschaftlichkeit berechnen: Einnahmen und Ersparnisse richtig einordnen

09.10.2026

Eine belastbare PV-Rechnung trennt vermiedene Stromkäufe, Erlöse für eingespeisten Strom und laufende Kosten. Entscheidend sind realistische Annahmen zu Eigenverbrauch, Vergütung, Investition und späteren Ersatzteilen – nicht ein einzelner Renditewert.

Drei Geldströme statt einer pauschalen Rendite

Wer die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage berechnet, sollte drei Größen getrennt erfassen: die Stromkosten, die durch Eigenverbrauch entfallen, den Erlös für eingespeiste Kilowattstunden und die Ausgaben für Kauf und Betrieb. Der eingesparte Netzbezug ist kein Verkaufserlös, sondern ein vermiedener Einkauf. Er hängt deshalb vom eigenen Stromtarif und davon ab, wann Haushalt und Anlage Strom liefern beziehungsweise benötigen. Für eingespeiste Überschüsse gilt eine gesonderte Vergütung. Werden beide Vorteile zusammengezählt, ohne ihre jeweiligen Strommengen auseinanderzuhalten, wird das Ergebnis schnell zu optimistisch.

Eigenverbrauch und Einspeisung getrennt rechnen

Beginnen Sie mit einer plausiblen Jahreserzeugung und teilen Sie sie in selbst genutzten und eingespeisten Strom auf. Für den selbst verbrauchten Teil gilt: Kilowattstunden × angenommener Arbeitspreis des vermiedenen Netzbezugs. Für den Überschuss gilt: Kilowattstunden × Einspeisevergütung. Nicht der gesamte Haushaltsverbrauch lässt sich mit Solarstrom decken; wichtig ist die zeitliche Überschneidung von Erzeugung und Verbrauch. Ein Speicher, eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto kann diese Verteilung verändern, muss aber mit seinen zusätzlichen Anschaffungs- und Betriebskosten in die Gesamtbilanz eingehen. Verwenden Sie für den Eigenverbrauch möglichst eine Prognose, die zu Dach, Anlagengröße und Verbrauchsprofil passt.

Einspeiseerlös: Inbetriebnahme und Anlagenteil beachten

Die Vergütung ist kein allgemeiner, dauerhaft unveränderlicher Pauschalwert. Für Gebäudeanlagen mit Teileinspeisung weist die Bundesnetzagentur für Inbetriebnahmen vom 1. August bis 31. Dezember 2026 7,70 Cent je Kilowattstunde für den Leistungsanteil bis 10 kW und 6,66 Cent für den Anteil darüber bis 40 kW aus. Bei größeren Anlagen gelten weitere Stufen. Maßgeblich sind Inbetriebnahmezeitpunkt und Leistung; deshalb sollte ein Angebot den für den konkreten Fall geltenden Satz ausweisen. Die Bundesnetzagentur weist außerdem darauf hin, dass eine Nachfolgeregelung für die Zeit nach dem 31. Dezember 2026 in parlamentarischer Beratung ist. Wer später plant, sollte aktuelle Rechtslage und Förderbedingungen vor einer Investitionsentscheidung erneut prüfen.

Beispiel: So entsteht der jährliche Bruttonutzen

Ein vereinfachtes Beispiel zeigt die Rechenlogik, nicht eine Ertragsprognose: Angenommen, eine Anlage erzeugt 8.000 kWh im Jahr, davon werden 2.400 kWh selbst genutzt und 5.600 kWh eingespeist. Setzt der Haushalt für den vermiedenen Netzbezug beispielhaft 32 Cent/kWh an, ergibt das 768 Euro vermiedene Stromkosten. Bei einer beispielhaft angesetzten Vergütung von 7,70 Cent/kWh kommen 431,20 Euro Einspeiseerlös hinzu. Der rechnerische Bruttonutzen beträgt somit 1.199,20 Euro pro Jahr. Die 32 Cent sind eine Modellannahme, keine Aussage über den aktuellen Tarif; die Vergütung gilt im Beispiel nur unter den genannten Bedingungen für eine Inbetriebnahme im zweiten Halbjahr 2026 und den passenden Leistungsteil. Von diesem Bruttonutzen sind noch Betriebskosten, Finanzierungskosten und die Anschaffung abzuziehen.

Kosten vollständig und Annahmen vorsichtig erfassen

Die Investition ist nicht mit dem Angebotspreis allein erledigt. Berücksichtigen Sie Versicherung, Wartung und mögliche Reparaturen sowie Ersatzteile, insbesondere einen möglichen späteren Wechselrichtertausch. Finanztip führt diese Ausgaben als Bestandteile der Betriebskosten an. Berechnen Sie die Summe über denselben Zeitraum wie die Erträge und legen Sie offen, ob Speicher oder Mess- und Steuertechnik enthalten sind. Bei Strompreisen hilft ein vorsichtiger Basisfall ohne starke jährliche Steigerungen; ergänzende Szenarien können zeigen, wie empfindlich das Ergebnis auf andere Preisannahmen reagiert.

Ergebnis als Szenario lesen

Eine einfache Amortisationsrechnung – Investitionskosten geteilt durch den jährlichen Überschuss – ist nur eine Orientierung, weil Erzeugung, Eigenverbrauch, Reparaturen und Vergütungsregeln im Zeitverlauf variieren können. Vergleichen Sie daher mindestens einen vorsichtigen und einen günstigen Fall und prüfen Sie, ob die Anlage auch bei niedrigeren Strompreisannahmen tragfähig bleibt. Dokumentieren Sie Kaufpreis, Verbrauchsaufteilung, Vergütungssatz, Betriebskosten und betrachteten Zeitraum. So lässt sich erkennen, ob die Wirtschaftlichkeit aus realistischen Stromersparnissen und Erlösen entsteht oder nur aus optimistischen Annahmen.

Quellen

  1. Bundesnetzagentur
  2. Verbraucherzentrale
  3. Finanztip