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Sensitivitätsanalyse für PV: Welche Annahme verändert die Entscheidung am stärksten?

09.10.2026

Eine PV-Wirtschaftlichkeitsrechnung steht und fällt nicht mit einer einzelnen Standardannahme: Entscheidend ist, wie sich Strompreis, Eigenverbrauch, Ertrag und Kosten in Euro auf dieselbe Laufzeit auswirken. Ein transparenter Szenarienvergleich zeigt, welche Annahme für Ihr Dach den größten Ausschlag gibt – und wo die Rechnung unsicher bleibt.

Nicht die Prozentzahl, sondern der Euroeffekt entscheidet

Eine Sensitivitätsanalyse beantwortet eine praktische Frage: Welche plausible Änderung einer Eingabe bewegt das Ergebnis am stärksten? Für eine PV-Entscheidung reicht es nicht, festzustellen, dass eine Rechnung „empfindlich“ auf Ertrag oder Strompreis reagiert. Vergleichen Sie die Auswirkung derselben Art von Ergebnis – etwa den jährlichen Netto-Cashflow oder den Kapitalwert über einen festgelegten Zeitraum. Ein Prozentpunkt Eigenverbrauch, zehn Cent Strompreis und fünf Prozent Ertrag sind nicht direkt vergleichbar. Sie müssen jeweils in Euro übersetzt werden. Auch die Richtung zählt. Mehr Eigenverbrauch kann den vermiedenen Netzbezug erhöhen; ein höherer Ertrag kann dagegen je nach Verbrauchszeitpunkt sowohl selbst genutzte als auch eingespeiste Kilowattstunden vergrößern. Dachausrichtung, Verschattung und Standort sind keine beliebigen Stellschrauben, sondern sollten die Ertragsannahme begründen.

Ein überschaubares Rechenbeispiel

Nehmen wir ausdrücklich nur als Rechenbeispiel eine Anlage mit 7.000 kWh Jahresertrag, 30 Prozent Eigenverbrauch, 35 Cent je vermiedener Netz-kWh und 8 Cent Vergütung je eingespeister kWh an. Das sind gesetzte Beispielwerte, keine Preisprognose oder individuelle Ertragsberechnung. Der jährliche Energiewert vor Anlagenkosten beträgt dann 2.100 × 0,35 Euro plus 4.900 × 0,08 Euro, also 1.127 Euro. Steigt der Eigenverbrauch um zehn Prozentpunkte, werden in diesem vereinfachten Modell 700 kWh statt eingespeist selbst genutzt. Der Mehrwert beträgt 700 × (0,35 − 0,08) Euro = 189 Euro pro Jahr. Bei zehn Prozent mehr Erzeugung und unverändertem Verbrauchsanteil steigt der Wert um rund 113 Euro; zehn Cent mehr Netzstrompreis erhöhen den Wert der 2.100 selbst genutzten kWh um 210 Euro pro Jahr. Unter genau diesen Vergleichsannahmen wirkt der Strompreis am stärksten – aber nur, weil die geprüfte Strompreisänderung so gewählt wurde.

Annahmen einzeln variieren – und gemeinsam plausibilisieren

Legen Sie zuerst eine nachvollziehbare Basisrechnung an und ändern Sie danach jeweils nur eine Größe: etwa Strompreis, Eigenverbrauchsanteil, Jahresertrag oder Anschaffungskosten. Dokumentieren Sie für jede Eingabe einen plausiblen niedrigen, mittleren und hohen Wert. PVGIS liefert Ertragswerte für verschiedene Zeitschritte und eine Kennzahl zur Schwankung zwischen Jahren; seine Ertragswerte enthalten bereits Systemverluste. Die Prognose ist trotzdem keine Zusage für das einzelne Dachjahr. Nach der Einzelanalyse folgen kombinierte Szenarien. Ein niedrigerer Ertrag zusammen mit geringerem Eigenverbrauch und unverändertem Strompreis ist ein vorsichtiges Szenario; ein optimistisches Szenario sollte nicht gleichzeitig alle günstigen Annahmen als sicher behandeln. Die Verbraucherzentrale warnt besonders davor, dass überhöhte Annahmen für Eigenverbrauch und Strompreissteigerung sich mit langer Laufzeit addieren. Deshalb sollte eine Rechnung auch dann noch verständlich sein, wenn der Strompreis nicht steigt.

Die Vergütung nicht als ewige Konstante behandeln

Für eingespeiste Kilowattstunden gehört die tatsächlich anwendbare Vergütung in die Rechnung. Sie ist nicht einfach ein allgemeiner, zeitloser PV-Wert: Laut Bundesnetzagentur richtet sich der Fördersatz nach Inbetriebnahmezeitpunkt und Anlagenleistung. Prüfen Sie also, zu welchem Fall das konkrete Projekt gehört, statt einen fremden Rechnerwert ungeprüft zu übernehmen. Bei einer Langfristprognose sind außerdem Zeitraum und Abzinsung konsistent zu halten. Eine Jahresersparnis über zwanzig Jahre zu multiplizieren blendet Veränderungen, laufende Kosten und den Zeitwert des Geldes aus. Bei Miet- oder Pachtangeboten ist die Vertragslaufzeit ein sinnvoller eigener Horizont; vertragliche Kosten und Leistungen gehören in die gleiche Rechnung wie der erwartete Stromnutzen.

So erkennen Sie den entscheidenden Hebel

Erstellen Sie eine kleine Rangliste: Wie stark verändert jede Eingabe das Ergebnis zwischen ihrer niedrigen und hohen, begründbaren Variante? Der größte Euroausschlag zeigt den empfindlichsten Hebel innerhalb Ihrer Annahmen. Das ist kein allgemeines Gesetz für alle Haushalte: Ein Dach mit unsicherer Verschattung kann auf den Ertrag reagieren, während bei einer anderen Konfiguration die tatsächliche zeitliche Nutzung des Stroms oder der Netzstrompreis entscheidender sein kann. Halten Sie deshalb neben dem Ergebnis auch die Bandbreite fest. Wenn die Investition selbst im vorsichtigen Szenario tragfähig bleibt, ist die Entscheidung weniger von einer optimistischen Prognose abhängig. Kippt sie schon bei einer kleinen Änderung, lohnt sich vor der Zusage vor allem die Überprüfung genau dieser Annahme – mit belastbareren Angebotsdaten, einem realistischen Verbrauchsprofil oder unabhängiger Beratung.

Quellen

  1. Verbraucherzentrale
  2. Verbraucherzentrale
  3. Joint Research Centre, Europäische Kommission
  4. Bundesnetzagentur