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Sonnenstunden und Globalstrahlung: Welche Standortdaten PV-Planern helfen

08.10.2026

Sonnenstunden und Globalstrahlung beschreiben unterschiedliche Aspekte des Solarangebots. Für die Ertragsplanung helfen standortbezogene Strahlungswerte, passende Zeiträume und eine Prüfung von Dachausrichtung und Verschattung; ein Klimadatensatz ersetzt jedoch keine genaue Dachaufnahme.

Sonnenstunden sind kein Ertragsmaß

Wer eine PV-Anlage plant, stößt oft zuerst auf Angaben zu Sonnenstunden. Sie beschreiben, wie lange Sonnenschein registriert wird; Globalstrahlung beschreibt dagegen die auf eine Fläche treffende Solarenergie. Das ist für die Ertragsplanung wichtig: Auch bei bedecktem Himmel erreicht diffuse Himmelsstrahlung den Boden, während die direkte Komponente durch Wolken stark eingeschränkt sein kann. Der DWD führt Sonnenscheindauer und Globalstrahlung deshalb als unterschiedliche Messgrößen. Die Globalstrahlung umfasst direkte, diffuse und reflektierte Anteile. Sonnenstunden allein sagen also nicht zuverlässig, wie viel Energie ein Modulstandort erhält. [DWD: stündliche Solarstrahlungsdaten](https://opendata.dwd.de/climate_environment/CDC/observations_germany/climate/hourly/solar/BESCHREIBUNG_obsgermany_climate_hourly_solar_de.pdf), [JRC: Datenquellen und Berechnungsmethoden](https://joint-research-centre.ec.europa.eu/photovoltaic-geographical-information-system-pvgis/general-information/data-sources-calculation-methods_en).

Auf Einheit und Bezugsebene achten

Für die erste Einordnung sollte ein Plan nicht bei einer jährlichen Zahl für eine ganze Stadt stehen bleiben. Monatswerte zeigen, wie stark das Solarangebot übers Jahr schwankt. PVGIS stellt mehrjährige Monatsmittel bereit und kann Werte für die horizontale Ebene oder eine geneigte Modulfläche ausgeben. Letzteres ist näher an der konkreten Dachgeometrie, aber auch dann muss die Eingabe zur tatsächlichen Dachneigung und Ausrichtung passen. Achten Sie zudem darauf, ob die Angabe Einstrahlung auf eine Fläche oder bereits modellierten PV-Stromertrag meint: Das sind verschiedene Größen und nicht direkt austauschbar. Für eine belastbare Gegenüberstellung sollten Ort, Zeitraum und Bezugsfläche gleich gewählt werden. [JRC: monatliche Strahlungsdaten](https://joint-research-centre.ec.europa.eu/photovoltaic-geographical-information-system-pvgis/using-pvgis-5/pvgis-5-tools/monthly-radiation_en).

Standortdaten: Raster als Startpunkt

Der DWD stellt für Deutschland monatliche Globalstrahlungsraster mit einer räumlichen Auflösung von einem Kilometer bereit. Die Werte werden aus qualitätsgeprüften Stationsmessungen und Satellitendaten abgeleitet. Das macht sie für die Vorauswahl und für regionale Vergleiche nützlich, aber nicht zu einer Messung auf dem eigenen Dach. Die dokumentierten mittleren Unsicherheiten reichen laut DWD von etwa fünf Prozent im Sommer bis zu 15 Prozent im Winter. Ein Monats- oder Jahresmittel glättet zudem einzelne besonders sonnige oder trübe Jahre. Nutzen Sie solche Standortdaten daher als Klimareferenz, nicht als Garantie für den künftigen Jahresertrag. [DWD: Datensatzbeschreibung der Monatsraster](https://cdc.dwd.de/sdi/pid/GRD_DEU_P1M_RAD-G/BESCHREIBUNG_GRD_DEU_P1M_RAD-G_de.pdf).

Vom Kartenwert zur Dachfläche

Ein praktikabler Ablauf beginnt mit den Koordinaten des Gebäudes. Rufen Sie für denselben Standort zunächst die monatliche Strahlung ab und vergleichen Sie die horizontale Ebene mit einer geneigten Ebene. Danach tragen Sie Neigung und Himmelsrichtung der vorgesehenen Modulfläche ein. Prüfen Sie gesondert, was in der Karte nicht sichtbar ist: Gauben, Schornsteine, Bäume oder Nachbargebäude können einzelne Dachbereiche und Tageszeiten beschatten. PVGIS berücksichtigt einen modellierten Horizont, der lokale Hindernisse nicht zwingend genau abbildet; die JRC beschreibt auch eine Möglichkeit, eigene Horizontinformationen einzubringen. Bei sichtbaren Hindernissen ist daher eine Vor-Ort-Prüfung beziehungsweise eine genauere Verschattungsanalyse sinnvoll. [JRC: PVGIS-Handbuch](https://joint-research-centre.ec.europa.eu/photovoltaic-geographical-information-system-pvgis/using-pvgis-5/pvgis-5-user-manual_en).

Ertragsschätzung richtig lesen

Strahlungsdaten sind ein wichtiger Eingangswert, aber nicht der gesamte PV-Ertrag. Die PVGIS-Rechnung für netzgekoppelte Anlagen bezieht auch Temperatur, Windgeschwindigkeit und den Modultyp ein. Für einen Vergleich verschiedener Dachflächen sollten deshalb nicht nur Strahlungskarten, sondern auch die gleichen Systemannahmen verwendet werden: Anlagenleistung, Montageart und Verluste beeinflussen das Ergebnis. Ein Beispiel: Zwei Dächer am selben Ort können ähnliche regionale Globalstrahlung haben, aber wegen unterschiedlicher Ausrichtung und Verschattung deutlich unterschiedliche Ertragsprofile liefern. Das Beispiel beschreibt den Planungsgrundsatz, keine konkrete Prognose. Ergebnisse aus Klimamitteln helfen beim Vergleich und bei der Dimensionierung; die spätere tatsächliche Jahresproduktion kann vom Mittelwert abweichen. [JRC: netzgekoppelte PV](https://joint-research-centre.ec.europa.eu/photovoltaic-geographical-information-system-pvgis/using-pvgis-5/pvgis-5-tools/grid-connected-pv_en).

Quellen

  1. Deutscher Wetterdienst, Climate Data Center
  2. Deutscher Wetterdienst, Climate Data Center
  3. Joint Research Centre, Europäische Kommission
  4. Joint Research Centre, Europäische Kommission
  5. Joint Research Centre, Europäische Kommission
  6. Joint Research Centre, Europäische Kommission