Stringströme im Monitoring vergleichen: Abweichungen gewichten
09.10.2026
Ein auffälliger Stringstrom ist zunächst ein Prüfhinweis, keine fertige Fehlerdiagnose. Aussagekräftig wird der Vergleich, wenn nur ähnlich ausgelegte Eingänge zusammen betrachtet und Abweichungen über passende Zeiträume beobachtet werden.
Erst vergleichbare Strings auswählen
Ein niedrigerer Stromwert fällt im Monitoring schnell auf. Aussagekräftig ist der Vergleich aber nur, wenn die betrachteten Eingänge ähnliche Voraussetzungen haben. SMA sieht für die Stringfehlererkennung Gruppen von Eingängen mit gleichen Eigenschaften vor – etwa hinsichtlich Verschattung, Ausrichtung oder Modultyp. Übertragen auf die Auswertung heißt das: Strings auf unterschiedlich ausgerichteten Dachflächen oder mit abweichenden Verschattungsmustern nicht ungeprüft zu einer gemeinsamen Referenz zusammenwerfen. Prüfen Sie zuerst den Anlagenplan und ordnen Sie die angezeigten Eingänge ihrer Lage und Belegung zu. Vergleichen Sie anschließend die zeitlichen Verläufe innerhalb einer solchen Gruppe, nicht bloß einzelne Zahlen aus verschiedenen Tageszeiten. So vermeiden Sie, dass ein systematischer Unterschied der Anlagenbereiche wie ein Fehler aussieht.
Abweichung als Verlauf statt Momentaufnahme lesen
Ein einzelner niedriger Messpunkt kann durch eine kurzfristig schwache Einstrahlung oder wechselnde Betriebsbedingungen zustande kommen. Entscheidend ist, ob die Differenz bei vergleichbarem Betrieb wiederkehrt und anhält. Auch die Wechselrichterlogik berücksichtigt eine Mindestdauer, während der eine eingestellte Toleranz überschritten sein muss, bevor eine Meldung ausgelöst wird. Eine Aktivierungsschwelle kann zudem verhindern, dass die Erkennung bei zu wenig DC-Leistung Ereignisse produziert. Für die eigene Sichtung hilft ein einfacher Ablauf: Zuerst dieselben Zeitfenster und ähnlich sonnige Betriebsphasen vergleichen; dann prüfen, ob derselbe Eingang wiederholt zurückbleibt; schließlich notieren, wann die Abweichung beginnt und ob sie nach vorübergehenden Wolken oder wechselnder Verschattung verschwindet. Die Geräteeinstellungen und ihre Wirkung sind modellabhängig – SMA beschreibt diese Funktionen für die jeweils dokumentierten Wechselrichter, nicht als allgemeingültige Alarmgrenzen.
Eine einfache Vergleichsrechnung – mit Grenzen
Angenommen, drei ähnlich belegte Eingänge zeigen zur selben Zeit 8,0 A, 7,8 A und 6,0 A. Der Gruppenmittelwert beträgt rund 7,3 A; der dritte Wert liegt damit etwa 18 Prozent darunter. Das ist ein Rechenbeispiel, kein technischer Grenzwert und kein Beleg für einen Defekt. Die Prozentzahl hilft nur, die Größe der Differenz zu beschreiben. Beurteilen Sie sie zusammen mit ihrer Dauer und Wiederholung: Bleibt der dritte Eingang in passenden Vergleichsfenstern auffällig, ist das ein stärkerer Anlass zur Prüfung als ein einzelner Ausschlag. Gibt es dagegen unterschiedliche Ausrichtung oder regelmäßige Teilverschattung, ist der Gruppenmittelwert möglicherweise keine faire Referenz. Verwenden Sie eine vom Hersteller bereitgestellte Toleranz nicht als universelle Schwelle für jede Anlage.
Alarm und Ursache auseinanderhalten
Stringstrom-Monitoring zeigt eine Abweichung; es erklärt nicht automatisch, wodurch sie entstanden ist. Zur genaueren Diagnose kann – sofern Wechselrichter und Firmware die Funktion unterstützen – eine Kennlinienmessung zusätzliche Information liefern. SMA beschreibt eine I-V-Messung je MPP-Tracker sowie die Darstellung von I-V- und P-V-Kurven. Dabei ist wichtig, dass eine Kurve pro Tracker nicht zwingend jeden parallel angeschlossenen String einzeln aufschlüsselt. Vergleichen Sie eine auffällige Kurve deshalb mit früheren Messungen unter ähnlichen Umgebungsbedingungen, statt zwei beliebige Aufnahmen gegeneinanderzustellen. Eine wiederkehrende Stromdifferenz kann ein Anlass sein, die Anlage durch eine qualifizierte Fachkraft weiter untersuchen zu lassen; aus dem Monitoring allein sollte keine konkrete elektrische Fehlerursache abgeleitet werden.
Was Sie für die Übergabe dokumentieren sollten
Halten Sie den betroffenen Eingang, Vergleichsgruppe, Datum und Uhrzeit, die beobachtete Differenz sowie deren Dauer fest. Ergänzen Sie, ob die Vergleichsstrings ähnliche Ausrichtung und Verschattung haben und ob es bereits frühere Kennlinienmessungen unter ähnlichen Bedingungen gibt. Ein sauber dokumentierter Verlauf erleichtert die Einordnung durch den Installationsbetrieb, ohne aus einer Warnmeldung vorschnell eine Diagnose zu machen.