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Stromgestehungskosten bei Haus-PV: Erzeugung und Eigenverbrauch trennen

09.10.2026

Stromgestehungskosten setzen Anlagenkosten ins Verhältnis zur erzeugten Strommenge. Sie sagen nicht allein, wie viel eine Haus-PV-Anlage spart: Dafür zählen zusätzlich Eigenverbrauch, Einspeisung und laufende Kosten.

Was LCOE misst – und was nicht

Stromgestehungskosten, oft als LCOE bezeichnet, beantworten eine enge Frage: Welche durchschnittlichen Kosten entfallen auf jede Kilowattstunde, die eine Anlage über ihren Betrachtungszeitraum erzeugt? Eine vereinfachte Rechnung teilt die gesamten Anlagenkosten durch die gesamte erwartete Stromproduktion. Je nach Rechenmethode kommen Finanzierung, Betrieb und Ersatzteile hinzu; bei einer reinen Überschlagsrechnung müssen diese Grenzen ausdrücklich benannt werden. Das Ergebnis ist kein Stromtarif und keine garantierte Ersparnis. Es bewertet die Erzeugung am Wechselrichter beziehungsweise am Anlagenzähler, nicht den Wert der Kilowattstunde am Ort und zur Stunde des Verbrauchs. Ein niedriger LCOE zeigt daher zunächst, dass eine Anlage günstig Strom produziert – nicht, dass jede erzeugte Kilowattstunde den gleichen finanziellen Vorteil bringt.

Beispiel: Preis pro kWp ist noch kein Preis pro kWh

Die Verbraucherzentrale NRW stützte ihren Preisindex auf 71 Angebote, die ihre Energieberater:innen zwischen Januar 2025 und August 2026 gesichtet hatten. Diese historische Stichprobe ist keine aktuelle Preisgarantie und sagt nichts über jedes individuelle Dach aus. Für die folgende reine Rechenillustration setzen wir einen PV-Kaufpreis von 14.560 Euro für eine 8-kWp-Anlage an. Das ist hier eine Annahme, kein behaupteter Durchschnittspreis. Zusätzlich nehmen wir beispielhaft 850 kWh Jahresproduktion je kWp an. Diese Ertragszahl stammt aus einem Verbraucherzentrale-Beispiel für eine Altanlage, nicht aus einer Prognose für neue Dächer. Bei 8 kWp wären das 6.800 kWh im Jahr. Über 20 Jahre ohne Ertragsminderung ergäben sich 136.000 kWh; 14.560 Euro geteilt durch diese Menge ergeben rund 10,7 Cent je kWh. Das ist ein reiner Anschaffungs-Kostenüberschlag: Finanzierung, Wartung, Wechselrichtertausch, Degradation und mögliche Zusatzarbeiten fehlen. Andere Dachausrichtung, Verschattung und Standort ändern die tatsächliche Produktion.

Eigenverbrauch ist eine Verteilung, keine zusätzliche Erzeugung

Von den erzeugten Kilowattstunden wird ein Teil zeitgleich im Haus verbraucht, der Rest fließt ins Netz. Die Eigenverbrauchsquote misst den Anteil der Produktion, den der Haushalt selbst nutzt. Sie darf nicht mit der Autarkiequote verwechselt werden: Diese betrachtet, welcher Anteil des gesamten Haushaltsbedarfs aus der PV-Anlage gedeckt wird. Eine Anlage kann also eine hohe Erzeugung haben und trotzdem nur einen Teil des Verbrauchs abdecken. Die Verbraucherzentrale nennt rund 30 Prozent des Jahresstromverbrauchs als Größenordnung, die eine typische PV-Anlage decken kann. Das ist keine pauschale Eigenverbrauchsquote und kein Versprechen für jedes Gebäude. Entscheidend ist, wann im Haushalt Strom benötigt wird, wie die Anlage dimensioniert ist und ob ein Speicher die zeitliche Lücke verschiebt. Mehr selbst genutzte Energie kann die Stromrechnung stärker senken, obwohl die zugrunde liegende Erzeugungsmenge und damit der rechnerische LCOE unverändert bleiben.

Vom Erzeugungspreis zur Wirtschaftlichkeit

Für die finanzielle Bewertung braucht es eine zweite Rechnung. Teilen Sie die Produktion in selbst verbrauchte und eingespeiste Kilowattstunden auf. Den selbst genutzten Anteil bewerten Sie mit dem vermiedenen Bezugspreis, den Überschuss mit der jeweils geltenden Einspeisevergütung oder einem anderen Erlös. Davon ziehen Sie laufende Kosten, Finanzierung und gegebenenfalls Speicherinvestitionen ab. Nur so wird sichtbar, ob die Anlage den Haushalt insgesamt günstiger versorgt. Der Vergleich von Angeboten sollte deshalb nicht bei Euro pro kWp enden. Fragen Sie nach der angesetzten Jahresproduktion und prüfen Sie, ob Erzeugung, Eigenverbrauch, Einspeisung und Speicherverluste getrennt ausgewiesen sind. Gleiche LCOE können im Haushalt zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führen, wenn eine Anlage mehr Strom zu Zeiten produziert, in denen niemand ihn nutzt. Umgekehrt macht eine hohe Eigenverbrauchsquote eine teure Anlage nicht automatisch wirtschaftlich.

Eine brauchbare Kennzahl mit klaren Grenzen

LCOE eignet sich, um Erzeugungsanlagen oder Angebote auf vergleichbarer Grundlage gegenüberzustellen – sofern Kostenumfang, Nutzungsdauer und Ertragsannahme gleich definiert sind. Für eine Hausanlage ist er ein Startpunkt, kein Endurteil. Ein sorgfältiger Vergleich zeigt deshalb beide Ebenen: Kosten je erzeugter Kilowattstunde und den erwarteten Geldfluss aus Eigenverbrauch, Einspeisung und Betrieb. Bei der Beispielrechnung ändern schon andere Ertragsannahmen den Ergebniswert; reale Angebote können außerdem unterschiedliche Arbeiten oder Komponenten umfassen. Nutzen Sie den Überschlag daher als Plausibilitätscheck, nicht als Renditeprognose. Für eine belastbare Entscheidung zählen der individuelle Dachertrag, vollständige Angebotskosten und ein realistisches zeitliches Verbrauchsprofil.

Quellen

  1. Verbraucherzentrale
  2. Verbraucherzentrale
  3. Verbraucherzentrale
  4. Verbraucherzentrale