Strompreisszenarien für PV: Keine feste Steigerungsrate als Gewissheit behandeln
09.10.2026
Ein Strompreisszenario ist eine Rechenannahme, keine Garantie. Für eine belastbare PV-Rendite sollten Haushalte mehrere mögliche Preisverläufe vergleichen und den Haushaltsstrompreis nicht mit dem Börsenpreis gleichsetzen. Als Orientierung: Der Day-Ahead-Großhandelspreis lag 2025 im Jahresdurchschnitt bei 89,32 €/MWh; dieser Einzelwert ersetzt keine Prognose.
Warum eine feste Steigerungsrate trügerisch wirken kann
Eine PV-Anlage spart vor allem dann Stromkosten, wenn selbst erzeugte Kilowattstunden Netzbezug ersetzen. Wie wertvoll diese Ersparnis über viele Jahre ist, hängt davon ab, wie sich der vermiedene Arbeitspreis entwickelt. Wer etwa pauschal jedes Jahr eine feste Steigerung ansetzt, bekommt ein glattes Ergebnis – aber keine Gewissheit. Die jüngsten Marktdaten zeigen, weshalb man nicht einfach eine Entwicklung als Dauerregel fortschreiben sollte: Im Frühjahr 2025 lag der erfasste durchschnittliche Haushaltsstrompreis rund vier Prozent unter dem Vorjahreswert. Das ist eine historische Beobachtung, keine Vorhersage für die Laufzeit einer Anlage. [Monitoringbericht der Bundesnetzagentur und des Bundeskartellamts](https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/20251126_Monitoringbericht.html).
Haushaltsstrompreis und Börsenpreis auseinanderhalten
Der Preis, den ein Haushalt für Netzstrom zahlt, ist nicht dasselbe wie der Börsenpreis. Bei dynamischen Tarifen ist der Beschaffungskostenanteil direkt an den Spotmarkt gekoppelt; der vollständige Endkundenpreis umfasst daneben weitere Bestandteile. Für eine PV-Rendite zählt daher der passende Vergleich: Bei einem Fixvertrag ist der vertragliche Arbeitspreis eine sinnvolle Ausgangsbasis, bei einem dynamischen Tarif spielen zeitvariable Preise und das Verbrauchsprofil eine größere Rolle. Eine Börsenpreisreihe als Stellvertreter für jede Haushaltsrechnung zu verwenden, kann die vermiedenen Bezugskosten verzerren. [Bundesnetzagentur zur Modellierung dynamischer Strompreise](https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/20251202_Stromtarife.html).
Ein einfaches Sensitivitätsbeispiel
Die folgenden Zahlen sind ausdrücklich ein Rechenbeispiel, keine Prognose und keine Renditeaussage. Angenommen, ein Haushalt ersetzt im ersten Jahr 2.000 kWh Netzbezug zu 32 ct/kWh durch Solarstrom: Das ergibt zunächst einen vereinfachten Vorteil von 640 Euro. Vergleichen Sie drei Preisverläufe für den Arbeitspreis: konstant, jährlich plus zwei Prozent und jährlich plus vier Prozent. Im zehnten Jahr läge der angenommene Preis dann bei rund 32, 38 und 46 ct/kWh, jeweils auf ganze Cent gerundet und jährlich aufgezinst. Das Beispiel isoliert allein die Preisannahme; für die reale Investitionsrechnung gehören außerdem Anlagenkosten, Wartung, Finanzierung, Einspeiseerlöse und gegebenenfalls Speicher dazu. Als Marktbeobachtung, nicht als Zukunftswert, meldete die Bundesnetzagentur für 2025 bei ihrer Modellierung dynamische Preise ab April durchgehend unter den Fixpreistarifen. Diese Beobachtung hängt vom betrachteten Tarifmodell ab und taugt nicht als garantierte Renditeannahme.
Szenarien mit klaren Annahmen aufbauen
Legen Sie für jeden Rechenpfad dieselbe Startbasis fest: aktuellen Tarif, Jahresverbrauch, erwartete selbst genutzte Solarstrommenge und Einspeiseerlös. Variieren Sie dann zunächst nur den Strompreis, zum Beispiel mit einem konstanten, einem moderat steigenden und einem vorsichtigen Szenario. Eine weitere Variante kann einen Rückgang oder eine längere Phase ohne Steigerung abbilden. Achten Sie darauf, dass der verwendete Arbeitspreis zum Tarif passt und nicht mit einem Börsenpreis verwechselt wird. Auch Großhandelspreise können zeitweise stark von einem glatten Jahresmittel abweichen: 2025 registrierte die Bundesnetzagentur 573 Stunden mit negativen Großhandelspreisen. Das ist kein Haushalts-Tarif und keine Aussage über einen bestimmten Vertrag, aber ein Grund, variable Marktpreise nicht als stetige Kurve darzustellen. [Strommarktdaten der Bundesnetzagentur](https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/20260105_Smard.html).
Sensitivität heißt auch Verbrauchsverhalten prüfen
Neben der Preissteigerung lohnt sich eine zweite Sensitivität: Was passiert, wenn mehr oder weniger PV-Strom zeitgleich zum Verbrauch anfällt? Vergleichen Sie Eigenverbrauch, Speicherannahmen und mögliche Lastverschiebung getrennt, statt mehrere Vorteile in einer Zahl zu verstecken. Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass ihre SMARD-Modellierung dynamischer Preise ein normales Verbrauchsverhalten ohne zeitliche Anpassung annimmt. Ein Haushalt, der tatsächlich flexible Geräte nutzt, kann eine zusätzliche Variante berechnen; er sollte diese Flexibilität aber nicht als sichere Einsparung ansetzen, wenn sie im Alltag nicht verlässlich verfügbar ist. So wird sichtbar, ob die Rechnung vor allem an der Strompreisannahme oder am Verbrauchsprofil hängt. [Hinweise zur Modellierung dynamischer Tarife](https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/20251202_Stromtarife.html).
Die Bandbreite statt einer Punktzahl kommunizieren
Zeigen Sie das Ergebnis als Bandbreite: Welche Amortisationszeit ergibt sich bei den verschiedenen Strompreispfaden, und welche Annahme verändert das Resultat am stärksten? Wenn schon kleine Änderungen der Steigerungsrate die Rechnung stark bewegen, spricht das für eine hohe Prognoseabhängigkeit – nicht automatisch für eine schlechte Anlage. Notieren Sie den Datenstand und aktualisieren Sie die Kalkulation, falls sich Tarif, Verbrauch oder Angebot ändern. Auch amtliche Marktübersichten beziehen sich auf klar abgegrenzte Berichtszeiträume: Der Monitoringbericht 2025 analysierte vor allem Daten aus dem Vorjahr und berücksichtigte zugleich relevante Entwicklungen des Berichtsjahres. Eine Szenariorechnung ist damit eine transparente Entscheidungshilfe, kein Versprechen über künftige Preise. [Monitoringbericht 2025](https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/20251126_Monitoringbericht.html).