Vor-Ort-Termin für PV: Diese Fragen sollten Dach und Technik klären
08.10.2026
Ein Vor-Ort-Termin macht aus einer groben Dachidee eine nachvollziehbare Planung. Prüfen Sie Dachfläche und Verschattung, lassen Sie offene Fragen zu Tragfähigkeit und Zustand benennen und klären Sie Wege zu Zähler, Wechselrichter und Speicher. Vor der Unterschrift sollten Annahmen, nötige Zusatzarbeiten und noch ausstehende Fachprüfungen schriftlich im Angebot stehen.
Der Termin ist eine Bestandsaufnahme, kein Dachgutachten
Ein guter Vor-Ort-Termin sollte nicht bei einem Blick von der Einfahrt enden. Ziel ist, offene Planungsfragen sichtbar zu machen: Welche Dachbereiche kommen überhaupt infrage, welche Stellen sind schwer zugänglich, und welche Informationen fehlen noch? Die Verbraucherzentrale rät dazu, vor einem Angebot die konkreten Gegebenheiten vor Ort ansehen zu lassen [Verbraucherzentrale]. Das ist ein sinnvoller Prüfpunkt – aber nicht automatisch ein statischer Nachweis oder eine Freigabe für die Montage. Fragen Sie deshalb ausdrücklich, was vor Ort geprüft wurde und was erst später eine Dachdeckerin, ein Statiker oder ein Elektrofachbetrieb beurteilen muss.
Dachfläche: Zustand, Hindernisse und Schatten
Gehen Sie die Dachflächen gedanklich einzeln durch: Gibt es Gauben, Schornsteine, Dachfenster, Entlüftungen oder Wartungswege, die eine Belegung begrenzen? Welche Flächen bleiben frei, und warum? Die Verbraucherzentrale nennt eine möglichst verschattungsfreie Fläche sowie eine stabile, asbestfreie Dachdeckung als wichtige Voraussetzungen [Verbraucherzentrale]. Bitten Sie um eine einfache Skizze, auf der nutzbare Flächen und Ausschlüsse markiert sind. Auch Schatten sollte nicht nur pauschal mit „kaum“ oder „viel“ beschrieben werden. Die HTW Berlin erläutert, dass eine Potenzialfläche auf einer 3D-Simulation einschließlich Verschattungsanalyse beruhen kann [HTW Berlin]. Lassen Sie sich daher zeigen, welche Bäume oder Gebäudeteile berücksichtigt wurden – und welche Annahmen die spätere Ertragsprognose prägen.
Tragfähigkeit und Dachsanierung: Was ist gesichert?
Fragen Sie nach dem Zustand der Eindeckung und nach Hinweisen auf Reparatur- oder Sanierungsbedarf. Wenn das Dach voraussichtlich in absehbarer Zeit erneuert werden muss, sollte der Betrieb erklären, ob die PV-Montage damit abgestimmt werden kann. Entscheidend ist, dass die zusätzliche Last und die Befestigung fachgerecht beurteilt werden; eine Sichtprüfung beim Beratungstermin ersetzt diesen Nachweis nicht. Bitten Sie um eine klare Kennzeichnung im Angebot: geprüft, angenommen oder noch offen. Das verhindert, dass eine vorläufige Einschätzung später als bestätigte Tragfähigkeit missverstanden wird.
Technikstandort: Zähler, Wechselrichter und Speicher
Gehen Sie gemeinsam den möglichen Leitungsweg vom Dach in den Technikbereich ab. Wo könnte der Wechselrichter sitzen, wo wäre Platz für einen Speicher, und welche Durchführungen oder Kabelwege wären nötig? Lassen Sie sich zeigen, ob der vorhandene Zählerschrank voraussichtlich weiterverwendet werden kann oder ob eine Prüfung beziehungsweise Anpassung nötig ist. VDE FNN weist darauf hin, dass neue Erzeugungsanlagen wie PV zusätzliche Anforderungen an Bestandszählerplätze auslösen können [VDE FNN]. Fragen Sie daher, wer die Elektroanlage bewertet und ob dafür Kosten im Angebot stehen. Die Verbraucherzentrale nennt mögliche Gerüst- und Zählerschrankumbaukosten als Punkte, die im Angebot enthalten sein sollten [Verbraucherzentrale].
Welche Informationen sollten Sie bereithalten?
Hilfreich sind vorhandene Dach- oder Bauunterlagen, Fotos früherer Reparaturen sowie der letzte Stromverbrauch und – falls absehbar – geplante neue Verbraucher wie Wärmepumpe oder Elektroauto. Halten Sie auch fest, ob es Bereiche gibt, die frei bleiben sollen. Diese Vorbereitung ersetzt keine Prüfung, hilft aber dabei, die Planung auf Ihr Haus und Ihren Bedarf zu beziehen. Bitten Sie den Anbieter, nach dem Termin die angenommene Modulfläche, die offenen Punkte, die enthaltenen Arbeiten und mögliche Zusatzkosten schriftlich zusammenzufassen.
Vor der Unterschrift: vom Besuch zum prüfbaren Angebot
Vergleichen Sie nicht nur Endpreise. Prüfen Sie, ob Gerüst, Montage, Elektroarbeiten, Zählerschrank und Netzanschluss jeweils enthalten oder ausdrücklich ausgeschlossen sind. Lassen Sie Abweichungen zwischen dem besprochenen Dach und der Angebotszeichnung korrigieren. Wenn eine Tragfähigkeits- oder Elektroprüfung noch aussteht, sollte das als Bedingung oder offener Planungsschritt erkennbar sein. Ein belastbarer Termin endet also mit einer nachvollziehbaren Liste: Was wurde besichtigt, was wurde angenommen, was ist noch nachzuweisen und wer trägt welche Kosten? Genau diese Trennung macht Angebote vergleichbar und verhindert, dass eine erste Einschätzung mit einer abschließenden technischen Freigabe verwechselt wird.