PV-Wärmepumpe bewerten: Heizperioden fair vergleichen
09.10.2026
Fraunhofer ISE untersucht PV-Wärmepumpen auch mit Blick auf Eigenverbrauch und Autarkie. Für den eigenen Betriebsvergleich zählen dennoch ganze Heizperioden, Wetter, Wärme, Strombilanz und vergleichbare Komfortbedingungen.
Warum eine milde Woche keine Effizienzdiagnose ist
Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe reagiert auf die Heizlast und damit auf das Wetter. Eine sonnige, milde Woche im März kann zugleich weniger Heizwärme verlangen und mehr PV-Strom liefern als eine kalte, trübe Woche im Januar. Der niedrigere Netzbezug sagt dann zunächst wenig darüber aus, ob die Anlage effizienter lief. Auch ein einzelner hoher Wochenverbrauch ist kein Beweis für eine Fehlfunktion: Er kann durch tiefere Außentemperaturen, mehr Warmwasserbedarf oder längere Heizzeiten entstehen. Für einen belastbaren Betriebsvergleich wählen Sie deshalb möglichst vollständige Heizperioden mit klaren Anfangs- und Endständen – idealerweise dieselben Kalendermonate oder den ganzen Zeitraum vom Herbst bis ins Frühjahr. Monatsverläufe helfen, Ausreißer einzugrenzen; Tageswerte sind nützlich, wenn ein konkretes Ereignis gesucht wird. Einzelwochen eignen sich eher zum Auffinden eines häufigen Heizstabeinsatzes als für eine Rangliste der Effizienz.
Wetterbereinigung: hilfreich, aber kein Zauberknopf
Für die Raumheizung lässt sich die Witterung mit Heizgradtagen berücksichtigen. Destatis stellt für die Temperaturbereinigung die Heizgradtage des betrachteten Jahres einem längerfristigen Durchschnitt gegenüber. Notieren Sie für Ihren Vergleich den Standort und den Referenzzeitraum der Wetterdaten. Nutzen Sie für verschiedene Jahre dieselbe Methode und denselben Bezug, statt eine Heizperiode mit lokaler Wetterstation und eine andere mit einem weit entfernten Referenzort zu korrigieren. Die so korrigierte Kennzahl ist eine Näherung für Raumwärme, keine vollständige Wetterkorrektur der Wärmepumpe. Heizgradtage bilden Außentemperatur ab, aber weder Sonneneinstrahlung noch Wind, interne Wärmegewinne, Warmwasserverhalten oder Abtauvorgänge im Detail. Teilen Sie deshalb nicht den gesamten Wärmepumpenstrom einschließlich Warmwasser und Speicherverlusten durch einen Heizgradtagefaktor und behandeln Sie das Ergebnis als präzise Effizienz. Trennen Sie, soweit Messung und Regelung es zulassen, Raumheizung und Trinkwarmwasser.
Gleiche Bilanzgrenze, gleiche Kennzahl
Eine Arbeitszahl ist nur dann aussagekräftig, wenn Wärme und Strom zum selben Zeitraum und zur selben Systemgrenze gehören. Das Grundprinzip ist thermische Nutzwärme geteilt durch den dafür eingesetzten Strom. Legen Sie vor dem Vergleich fest, ob Heizstab, Umwälzpumpen, Ventilator beziehungsweise Solepumpe und Regelung im Stromzähler enthalten sind – und ob Wärme vor oder nach einem Speicher erfasst wird. Verwechseln Sie auch Netzbezug nicht mit Gesamtstromverbrauch. Für die Effizienz zählt der Strom, den die Anlage insgesamt verbraucht; PV-Eigenverbrauch senkt dagegen den Netzbezug und beeinflusst die Kostenbilanz. Zeiträume und Bilanzgrenzen sollten Sie deshalb im Protokoll festhalten. Wenn Sie unterschiedliche Messsysteme vergleichen, dokumentieren Sie Abweichungen ausdrücklich, statt scheinbar genaue Rangfolgen zu bilden.
PV-Anteil und Betriebsbedingungen getrennt erfassen
Bei einer PV-Wärmepumpe sind zwei Fragen auseinanderzuhalten: Wie effizient erzeugt die Wärmepumpe Wärme, und wie viel ihres Strombedarfs deckt die PV-Anlage zeitgleich oder über einen Speicher? Fraunhofer ISE untersucht diese Kopplung auch unter dem Gesichtspunkt Eigenverbrauch und Autarkie. Für den eigenen Vergleich sollten Sie mindestens Wärmemenge, gesamten Wärmepumpenstrom und Netzbezug getrennt protokollieren. Wo vorhanden, kommen PV-Erzeugung, direkter PV-Anteil und Batterieladung hinzu. Ein hoher PV-Anteil kann den Netzbezug reduzieren, ohne die Jahresarbeitszahl zu verändern. Umgekehrt kann die Arbeitszahl steigen, während der PV-Anteil sinkt – etwa wenn die Heizperiode kälter und dunkler war. Beide Werte beantworten unterschiedliche Fragen. Halten Sie außerdem Innenraumtemperatur, Absenkzeiten, Warmwasser-Solltemperatur, Abwesenheiten sowie Änderungen an Heizkurve, Speicher, PV-Leistung, Batterie oder Steuerungslogik fest. Sonst können Verbrauchsänderungen mit Komfort- oder Anlagenänderungen verwechselt werden. Eine einfache Tabelle mit Anfangs- und Enddatum, Heizgradtagen, erzeugter Wärme, Anlagenstrom nach definierter Zählergrenze, Netzbezug, PV-Anteil und Notizen zu Änderungen genügt als Ausgangspunkt. Wenn Werte auffällig abweichen, prüfen Sie zuerst Datenlücken, Zählergrenzen, Warmwasseranteil und Wetter. Erst danach sind Ursachen wie Heizstabnutzung oder Regelungseinstellungen zu untersuchen; technische Anpassungen gehören bei Verdacht auf einen Fehler in fachkundige Hände. Ein UBA-Praxisbeispiel zieht sein Fazit nach zwei vollständigen Heizperioden – ein sinnvoller Hinweis darauf, dass für eine eigene Bewertung längere Beobachtungszeiträume mehr Aussagekraft bieten als einzelne Wochen.