Solarer Deckungsanteil der Wärmepumpe: Strom- und Wärmeanteil trennen
09.10.2026
Photovoltaik kann nur einen Teil des Wärmepumpenstroms abdecken. Eine saubere Bilanz trennt den direkt genutzten Solarstrom von der gelieferten Wärme und ordnet beide Größen korrekt ein.
Stromanteil ist nicht Wärmeanteil
Der Begriff „solarer Deckungsanteil“ braucht eine Bezugsgröße. Für die praktische Anlagenbilanz ist die klarste Frage: Welcher Anteil des elektrischen Wärmepumpenverbrauchs wurde zeitgleich durch PV-Strom gedeckt? Das ist ein Stromanteil. Davon zu unterscheiden ist die erzeugte Nutzwärme, die sich aus Strom und der von der Wärmepumpe aufgenommenen Umgebungswärme zusammensetzt. Die Jahresarbeitszahl (JAZ) setzt die abgegebene Heizwärme ins Verhältnis zum dafür eingesetzten Strom. Beispiel: Bei 4.000 kWh Strom und 12.000 kWh abgegebener Wärme liegt die JAZ bei 3. Diese JAZ sagt nicht aus, welcher Anteil des Wärmepumpenstroms solar war. Ebenso wenig lässt sich aus der PV-Erzeugung des Hauses allein ermitteln, wie viel Strom die Wärmepumpe tatsächlich genutzt hat.
Eine Messbilanz mit klaren Grenzen
Für den elektrischen Deckungsanteil werden der gesamte Stromverbrauch der Wärmepumpe und die davon zeitgleich mit PV-Strom versorgte Menge über denselben Zeitraum erfasst. Eine mögliche Definition lautet: PV-Strom am Wärmepumpenanschluss geteilt durch Wärmepumpenstrom, multipliziert mit 100. Ein Rechenbeispiel: Bei 4.000 kWh Wärmepumpenstrom und 1.200 kWh direkt zugeordnetem PV-Strom beträgt der Anteil 30 Prozent. Dokumentieren Sie, ob Zähler auch Pumpen, Regelung und Heizstab einschließen; ohne identische Systemgrenze werden Vergleiche schief. Für eine Wärmabilanz kommt zusätzlich ein Wärmemengenzähler hinzu. Der JAZ-Wert muss auf dieselbe Messperiode bezogen sein wie der Stromverbrauch. Ein Jahreswert kann die Größenordnung zeigen, aber nicht die zeitliche Zuordnung einzelner Kilowattstunden.
Warum ein Jahresüberschuss nicht genügt
PV-Anlage und Wärmepumpe arbeiten nicht immer gleichzeitig mit hoher Leistung: Das UBA beschreibt, dass PV-Strom im Sommer besonders reichlich anfällt, während der Strombedarf der Wärmepumpe im Winter am höchsten ist. Deshalb kann ein Haus übers Jahr mehr Solarstrom erzeugen, als es insgesamt verbraucht, und trotzdem einen erheblichen Teil des Heizstroms aus dem Netz beziehen. Speicher und zeitliche Steuerung können die Zuordnung ändern, aber nur Messwerte zeigen, wie groß dieser Effekt am konkreten Anschluss ausfällt. Wer einen solaren Wärmeanteil ausweisen möchte, sollte daher offenlegen, ob er eine rechnerische Zurechnung aus Stromanteil und JAZ meint oder ob eine andere, genau beschriebene Bilanzmethode verwendet wird. Der nachvollziehbare Kennwert bleibt der direkt gemessene PV-Anteil am Wärmepumpenstrom; die Wärmeleistung wird separat bilanziert.
Begriffe nicht aus der Gebäudebilanz übernehmen
Eigenverbrauch und Autarkie auf Gebäudeebene sind keine Wärmepumpenkennzahlen. Eigenverbrauch ordnet PV-Strom zu, der vor Ort genutzt wird; Autarkie beschreibt den Anteil des Gesamtstrombedarfs, den die eigene Erzeugung deckt. Fraunhofer ISE berichtete bei sechs untersuchten Wärmepumpen-PV-Kombinationen ohne Batterie für die Gebäude 22 bis 37 Prozent Eigenverbrauch und 25 bis 40 Prozent Autarkie. Diese Werte zeigen, dass Systemgrenze und Messpunkt zählen, sie belegen aber keinen bestimmten solaren Deckungsanteil der Wärmepumpe. Für einen fairen Vergleich sollte der Bericht daher Zeitraum, Zählerumfang, Batterieeinsatz und die Definition des Deckungsanteils nennen.