Zwei Elektroautos mit einer PV-Anlage: Energiebedarf und Standzeiten vergleichen
09.10.2026
Bei zwei Elektroautos entscheidet nicht nur der Strombedarf, sondern auch, wann beide Fahrzeuge zu Hause stehen. Ein transparentes Rechenbeispiel zeigt, wie Tageskilometer, PV-Überschuss und Ladeleistung zusammenwirken.
Nicht die Zahl der Autos, sondern das Zeitfenster zählt
Zwei Elektroautos verdoppeln nicht automatisch den PV-Strombedarf, der tagsüber gedeckt werden kann. Ausschlaggebend sind die gefahrenen Kilometer und vor allem die Frage, ob die Fahrzeuge dann zu Hause angeschlossen sind, wenn die Anlage Überschuss liefert. Ohne Speicher kann Solarstrom nicht für später aufgehoben werden; die Verbraucherzentrale hält deshalb Laden bei Sonnenschein am Tag für besonders wirksam. [Verbraucherzentrale: Solarstrom mit eigener Ladestation nutzen](https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/emobilitaet/elektroauto-mit-eigener-ladestation-solarstrom-vom-dach-laden-22557) Für einen Haushalt mit zwei Autos ist ein Wochenplan oft aussagekräftiger als die gemeinsame Jahreskilometerzahl: Wann fährt jedes Auto morgens los, wann kehrt es zurück, und an welchen Tagen bleibt eines tagsüber daheim? Ein Auto, das bis zum frühen Nachmittag unterwegs ist, kann den sonnigen Mittagsüberschuss nicht direkt aufnehmen. Ein zweites Fahrzeug mit längerer Standzeit kann dagegen gerade dann laden. [Fraunhofer ISE: Wallboxen für solares Laden](https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/news/2025/projekt-wallbox-inspektion-qualitaetscheck-fuer-solares-laden-von-elektrofahrzeugen-entwickelt.html)
Ein nachvollziehbares Rechenbeispiel
Nehmen wir als bewusst einfache Winterrechnung an, beide Fahrzeuge fahren je 30 Kilometer am Tag. Mit dem von der Verbraucherzentrale im Solarrechner angesetzten Winterwert von 21 kWh je 100 Kilometer ergibt das rechnerisch 6,3 kWh pro Auto und Tag, zusammen 12,6 kWh. Das ist der angesetzte Fahrenergiebedarf, nicht automatisch die benötigte Netzenergie: Ladeverluste und tatsächlicher Fahrzeugverbrauch können abweichen. Bei einer konstanten Ladeleistung von 3,7 kW entspräche die gemeinsame Energiemenge rechnerisch rund 3,4 Stunden Ladezeit an einem Ladepunkt (12,6 geteilt durch 3,7), sofern die Leistung durchgehend anliegt. Zwei Ladepunkte mit je 3,7 kW könnten rechnerisch parallel arbeiten, verlangten dann aber zusammen bis zu 7,4 kW. Das Beispiel vergleicht also Energie und Zeit, es sagt nicht voraus, wie viele Stunden die PV-Anlage diese Leistung tatsächlich bereitstellt. Die saisonalen Verbrauchsannahmen und die Ladeleistung stammen aus dem [Methodenhinweis zum Solarrechner](https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/erneuerbare-energien/so-kalkuliert-der-solarrechner-24907).
Standzeiten staffeln statt beide Autos gleichzeitig laden
Stehen beide Autos gleichzeitig zu Hause, ist das noch kein Beleg dafür, dass für beide ausreichend Solarleistung übrig ist. Haushaltsverbrauch geht ebenfalls zulasten des Überschusses. Die Verbraucherzentrale nennt mindestens 1,4 kW als technische Ladeleistung eines Elektroautos. Daher kann ein kleiner Überschuss für ein einzelnes Auto schon nicht mehr zum solaren Laden reichen; für zwei Autos gleichzeitig muss die verfügbare Leistung entsprechend höher sein. [Hinweise zu PV-Laden und Ladeleistung](https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/emobilitaet/elektroauto-mit-eigener-ladestation-solarstrom-vom-dach-laden-22557) Praktisch kann ein Haushalt zunächst das Auto mit dem längeren Tagesfenster priorisieren. Das zweite lädt später, wenn das erste seine nötige Energiemenge aufgenommen hat oder wieder unterwegs ist. Wer für beide Fahrzeuge abends eine Mindestreichweite braucht, kann stattdessen eine feste Netzladung als Rückfallebene einplanen. Das ist eine betriebliche Abwägung, kein Versprechen vollständiger Solarversorgung.
Was eine Überschusssteuerung ändern kann
Eine PV-Überschussfunktion misst die freie Leistung am Netzanschluss und passt die Ladeleistung an wechselnde Erzeugung und Haushaltslast an. Das ist hilfreich, wenn Wolken durchziehen oder andere Verbraucher anspringen: Die Autos müssen nicht mit einer starren, für den Moment zu hohen Ladeleistung laden. Fraunhofer ISE empfiehlt eine Wallbox mit Überschussladefunktion für die Kombination aus Solaranlage und E-Auto. [Fraunhofer ISE zur Wallbox-Inspektion](https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/news/2025/projekt-wallbox-inspektion-qualitaetscheck-fuer-solares-laden-von-elektrofahrzeugen-entwickelt.html) Bei zwei Fahrzeugen sollten Eigentümer zusätzlich prüfen, ob das System beide Ladepunkte gemeinsam steuern kann, wie die verfügbare Leistung verteilt wird und ob das jeweilige Auto die eingestellte Ladeleistung aufnehmen kann. Die bloße Zahl der Anschlüsse verrät nicht, ob Lastmanagement vorhanden ist.
Mit echten Fahrdaten planen
Für eine belastbare Abschätzung notieren Sie über einige Wochen die Kilometer beider Autos und die Uhrzeiten, zu denen sie zu Hause stehen. Daraus lässt sich der Energiebedarf getrennt berechnen und mit den PV-Ertragsdaten der entsprechenden Stunden vergleichen. Rechnen Sie außerdem mit einem Szenario, in dem beide Fahrzeuge an einem trüben Tag anwesend sind und geladen werden müssen. Die Zahlen oben sind nur eine Orientierung: Der Solarrechner arbeitet mit vereinfachten Nutzerprofilen und einer konstanten Ladeleistung. Die reale PV-Anlage, Ausrichtung, Jahreszeit, Haushaltslast, Fahrzeugverbrauch, Ladegrenzen und die geteilte Ladeleistung können das Ergebnis verändern. Entscheidend für zwei Elektroautos ist deshalb nicht allein eine große Jahres-PV-Produktion, sondern ein Ladeplan, der die erforderliche Mobilität mit den tatsächlichen Standzeiten und verfügbaren Überschüssen zusammenbringt. [Einschränkungen des Solarrechners](https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/erneuerbare-energien/so-kalkuliert-der-solarrechner-24907)